Biergartenwetter verspricht der Kapitän beim Anflug auf München. Zwanzig Grad, dazu ein laues Lüftchen, schönen Feierabend. Der Geschäftsreisende klappt seinen Aktenkoffer zu und denkt: Na bitte. Biergartenwetter ist das, was man unter Geschäftsleuten einen "weichen Standortfaktor" nennt.

Davon hat Bayern einige. Wenn es anginge, würde die Staatskanzlei darauf hinweisen, daß sie eigens die Alpen und den Starnberger See geschaffen habe, um das Klima für Investoren so angenehm wie möglich zu gestalten. Ersatzweise lockt sie mit einer "Existenzgründungsoffensive", mit Anschubförderung und Risikokapital. Wir schaffen Arbeitsplätze mit Zukunft, lautet Edmund Stoibers Wahlkampfbotschaft. Wo Bayern ist, da ist vorn. Vorn ist da, wo modernstes High-Tech zu Hause ist.

Von Stoibers Vorgänger Franz Josef Strauß wird gern erzählt, daß es ohne ihn keinen Airbus und keinen neuen Flughafen draußen im Erdinger Moos gegeben hätte. Dank seiner Initiative rollt der Geschäftsmann heute nach der Landung kilometerweit an bunten Leuchtstoffröhren vorbei. Viel Platz wäre hier, das Know-how bayerischer Unternehmen zu preisen

außer der Firma Wacker ("Chemie der Ideen") hält das niemand für notwendig. Auch in der S-Bahnlinie 8, die in Richtung Innenstadt zockelt, fehlt jeder Hinweis auf Siemens, Dasa oder BMW.

Ohnehin keine visionären Adressen. Da gibt es andere, von denen bislang kaum jemand gehört hat: Morphosys oder Connex, Cellcontrol oder TheraGene. In Martinsried, an der westlichen Stadtgrenze, haben sie sich angesiedelt. Wenn das Stichwort "Offensive Zukunft Bayern" fällt, dann ist mit Sicherheit auch von ihnen die Rede. Kleine, zum Teil noch winzige Betriebe sind das, und sie arbeiten an winzigen Dingen. An monoklonalen Antikörpern zum Beispiel, an rekombinanten Proteinen. Deshalb genießen sie das ungeteilte Wohlwollen des Landesvaters. "Die Biotechnologie", hat Edmund Stoiber erkannt, "ist die Automobilindustrie des 21. Jahrhunderts."

Um sie nach Jahren des Stillstands endlich zum Laufen zu bringen, griff der Finanzminister in den großen Topf, den das Land nach dem Verkauf der Bayernwerk AG und einer Teilprivatisierung der Versicherungskammer mit mehr als 5 Milliarden Mark gefüllt hatte. Gut 40 Millionen davon wurden seit 1995 stufenweise in den Aufbau des Innovations- und Gründerzentrums Biotechnologie (IZB) gesteckt. 16 Firmen sind inzwischen eingezogen, betreut von der Fraunhofer-Management-Gesellschaft. Ein Zentrum für risikofreudige Jungwissenschaftler, die sich mit einer Geschäftsidee selbständig machen wollen.

"Wir haben hier nur handverlesene Mieter", sagt Peter Hanns Zobel, der kaufmännische Geschäftsführer des IZB. Wie groß der Andrang denn gewesen sei?