Lauingen an der Donau Paßte er nicht wunderbar in einen Bildband Unser Freistaat: Wo Bayern noch bayerisch ist? Mit der Amtskette überm fülligen Bauch posierte er vor seinem klassizistischen Palazzo-Rathaus, und unter dem Bild stünde: "Georg Barfuß, 54, Bürgermeister von Lauingen an der Donau, macht seit zwölf Jahren erfolgreiche Politik." Und natürlich, daß er CSU-Mitglied ist und katholisch und sich beim Herrgott mit einer Wallfahrt nach Andechs dafür bedankt, daß seine Stadt endlich eine Ortsumgehung hat.

So ist er. Aber auch ganz anders. So anders, daß man sich wundert, warum ihn seine Partei noch duldet. Nicht, weil er die Freiburger Öko-Briefe liest und Faßanstiche ablehnt, weil es auch im Freistaat mehr Alkohol- als Drogensüchtige gebe. Auch nicht, weil er geschieden ist, was einem bayerischen Politiker und Katholikenmenschen eigentlich nicht passieren darf.

Verziehen und verdrängt. Aber Georg Barfuß sagt auch noch: "Natürlich sind wir ein Einwanderungsland, alles andere ist Quatsch" er findet, daß das kommunale Wahlrecht für Ausländer eine "Bereicherung" für jede Stadt wäre, und die Italiener in seinem Flecken mag er nicht mehr als "Ausländer" bezeichnen. Alles keine CSU-kompatiblen Ansichten, schon gar nicht in Wahlkampfzeiten.

Es sei höchste Zeit, sagt Barfuß, daß die ein Ende nähmen, im Bund und in Bayern. "Da wird so viel kaputtgemacht, nur damit man auch noch die Stimme vom letzten Bierdümpfel am Stammtisch kriegt. Dann lieber verlieren."

Punktum. Es sei doch geradezu "pervers", wie CSU-Politiker für die Abschiebung der Eltern des mehrfach straffällig gewordenen 14jährigen Türken Mehmet polterten - der Fall in München machte bundesweit Schlagzeilen: "Wie sich die Partei da erniedrigt und ihre Ehre verkauft."

Was die CSU von ihm hält, ist ihm herzlich egal: "Die muß mich aushalten."

Muß sie wohl. Denn erstens hat er mit 62 Prozent gerade seine dritte Bürgermeisterwahl gewonnen. Und zweitens hat er eine bayerische Portion Gott- und Selbstvertrauen abbekommen. So lümmelt er breitbeinig hinter dem riesigen Konferenztisch in seinem Amtszimmer und redet so laut und klar und geradeheraus, wie man eben redet, wenn man von sich überzeugt ist. "Stoiber ist effizient, aber lang nicht so weltmännisch wie Strauß." Der habe immerhin gemeint, daß die CSU auch eine liberale Partei sei. Und als liberal versteht sich ihr Mitglied Barfuß. Es hat dafür gesorgt, daß Lauingen vor zwei Jahren die erste Stadt in Bayern wurde, in der eine Moschee mit Minarett steht. Im Stadtprospekt läßt Barfuß in Bild und Text damit werben: Lauingen, "Stadt der Türme", Schimmelturm, Herzogschloß, die Kirchtürme von St. Alban bis St. Martin, Hicret-Moschee. Als "seine" Türken damals mit Plänen für ein schlichtes Gebetshaus kamen, hat er ihnen bedeutet, daß "a bißle Moschee" mit ihm nicht geht: "Ihr baut gar nix oder richtig, mit Minarett." Dann hat er seinen Gemeinderat bearbeitet, die Pfarrer am Ort und den Kollegen in der Nachbarstadt eingebunden, in vielen Bürgerversammlungen gestritten und einen Gießereiunternehmer angeblafft: "Ihr habt die Menschen doch geholt!" Und wenn er keine Lust mehr hatte zum Streiten, hat er einfach zurückgefragt: "Was wollt's überhaupt? Mir ham a Kirch baut" hat neun Wochen Polizeischutz und noch länger nächtens anonyme Anrufe ertragen und dann die Moschee eingeweiht, "ein Wahrzeichen unserer Wirtschaftsgeschichte und unseres wunderbaren Grundgesetzes".