Wer hat es nicht schon selbst in der Hand gehabt, das Pustefix-Röhrchen?

Generationen von Kindern haben damit geübt, die schönsten Seifenblasen aufsteigen zu lassen. Doch das billige Spielzeug macht nicht nur Spaß, es ist gleichzeitig die Basis eines erfolgreichen Unternehmens. Die Hein KG aus dem schwäbischen Tübingen wurde buchstäblich auf Seifenblasen gegründet. Obwohl Gründerenkel Frank W. Hein, seit kurzem Geschäftsführer der Hein KG, sich keine aufwendige Marktforschung leistet, kann sich das Unternehmen das Prädikat Weltmarktführer anheften. In diesem Jahr feiert das Familienunternehmen sein fünfzigjähriges Bestehen. Das blaue Pustefix-Röhrchen mit dem Teddybären als Markenzeichen zählt längst zu den Klassikern des europäischen Spielzeuggewerbes.

Dabei war die Seifenblasenflüssigkeit zunächst nur ein Abfallprodukt der Waschmittelproduktion des Firmengründers. Der hatte nach dem Krieg Waschpulver gemischt und bei den Bäuerinnen auf der nahe gelegenen Schwäbischen Alb gegen Lebensmittel eingetauscht. Als sich aber nach der Währungsreform 1948 die Regale in den Geschäften schlagartig wieder füllten, hatte sein Pulver in den schlichten braunen Tüten keine Chance mehr. Da besann sich der Chemiker des Seifenwassers mit der extrem hohen Oberflächenspannung, auf das er bei seinen Experimenten gestoßen war.

Allerdings - vermutet Seniorchef Gerold P. Hein - sei es dem Vater sicher nicht leichtgefallen, in diesen schwierigen Zeiten ausgerechnet auf "ein so unnötiges, rasch vergängliches Spielzeug wie Seifenblasen" zu setzen.

Aber die Seifenblase, seit jeher Sinnbild der Vergänglichkeit, wurde dem Familienunternehmen zum Garanten dauerhaften Erfolgs. Die Umsätze stiegen stetig, selbst der Pillenknick wurde kompensiert. "Wir konnten ja ausrechnen, wann die geburtenschwachen Jahrgänge ins Pustefix-Alter kommen würden, und haben das mit neuen Produkten kompensiert", erinnert sich der Senior, der Ende des Jahres aus der Geschäftsführung ausscheiden will. Zu Blasröhrchen und Zauberbär gesellten sich Pustefix-Vogel, Pusteflieger, Pustepfeife ...

Heute erwirtschaftet die Hein KG mit ihren 28 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund fünf Millionen Mark. Waren es vor 25 Jahren noch etwa 250 Liter Seifenwasser, die jährlich das Werk verließen, so sind es derzeit rund 500 000 Liter - biologisch abbaubar und ungiftig natürlich. Ein Drittel der Produktion geht mittlerweile ins Ausland - in fünfzig Länder wird exportiert, die Röhrchen sind vor allem bei den europäischen Nachbarn, aber auch in den USA und Japan ein Renner.

Für den Bonner Unternehmensberater Hermann Simon ist Hein/Pustefix das typische Beispiel eines Unternehmens, das sich seinen Markt selbst geschaffen hat. Faktisch besitze die Firma diesen Markt sogar, argumentiert der ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Universität Mainz, der in einer Studie die Strategien unbekannter Weltmarktführer untersucht hat.