Seit dem katastrophalen Ende des Swissair-Fluges 111 am Abend des 2.

Septembers und dem Tod von 229 Menschen ist der Himmel über Kanada kein guter Ort für den internationalen Luftverkehr: Kurz nach dem Start zum Weiterflug von Halifax Richtung Vancouver zwang ein Kabelbrand in der Bordküche die Piloten eines mit 144 Passagieren besetzten Airbus A310 der Swissair-Chartertochter Balair/CTA am Montag abend zur sofortigen Umkehr.

Diesmal verlief die Notlandung auf dem Flughafen von Halifax routinemäßig.

Sechs Stunden später konnte Flug BB 188 nach Behebung des Schadens die Reise an den Zielort fortsetzen. Nur zwei der 144 Passagiere hatten nicht die Nerven, wieder an Bord zu gehen.

Auch die Passagiere der Boeing 757 der kanadischen Fluglinie Royal Airlines auf dem Weg von Toronto nach Schottland kamen nur einen Tag nach dem Swissair-Absturz mit dem Schrecken davon: Nach starker Rauchentwicklung im Cockpit konnten die Piloten ihre Maschine ohne Probleme auf dem Luftwaffenstützpunkt Goose Bay auf der Halbinsel Labrador notlanden.

Den Besatzungen beider Jets gelang es dank der am Simulator dutzendfach trainierten Routineoperationen, ihre Maschinen sicher zum Boden zurückzubringen. Warum die Unglückspiloten den nur wenige Minuten vor ihnen liegenden rettenden Flughafen von Halifax nicht mehr erreichen konnten, blieb auch nach der Bergung der Flugschreiber bis Mitte der Woche im unklaren.

Jetzt kommt die Zeit der Detektive. Parallel zur Abnahme des öffentlichen Interesses am Unfall von Halifax beginnt die Feinarbeit der Fachleute. Ihre Vorgehensweise bei der Flugunfall-Untersuchung ist von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO, einer Sonderorganisation der Uno, bis ins Detail vorgeschrieben. Dabei geht es nicht um die Zuweisung von Schuld, sondern allein um die Abklärung von Fakten und des Unfallhergangs.