Es sieht nicht gut aus für uns. "Heftige Schwankungen beim Dax", "Finanzkrise gönnt Börsen keine Atempause" - jeden Tag neue Horrormeldungen.

Meine Freundin Maja nennt es unerfreulich. Aber durchdrehen, Panikreaktionen gar? Maja tendiert fest. "Wir verkaufen nicht", Ende. Ob sie wieder richtig liegt?

Früher unterhielten wir uns über die neue Kollektion von Tom Ford oder trösteten einander, wenn unsere Männer ihre schweigsame Woche nahmen. Bis wir die Börse als Gesprächsthema entdeckten. Weiß Gott, sie schenkt uns Stoff in Fülle.

Allerdings auch viel Streit. Nie können Maja und ich, wir Kleinanlegerinnen mit überschaubarem Portefeuille, uns über die optimale Anlagestrategie einigen. Meine Dummheit, wie Maja es zu nennen pflegt, treibt sie in den Wahnsinn. Solide Fonds. Risikostreuung. Diversifizierte Wertentwicklung. Maja schnaubt verächtlich: "Du und deine Oma-Papiere."

Das, was in ihrem Depot so dynamisch hochschoß wie von einem Gummiband gezogen, das nennt sie "flotte Papierchen". Andere nennen es Optionsscheine.

Seit ein Kollege Maja beim Lunch erklärte, was das ist, wollte sie nichts anderes mehr. Der Erfolg belohnte ihre Risikofreude. Neben ihr sah ich ganz schön alt aus.

BASF, Schweizer Bankgesellschaft, IBM-O-Scheine - ihre größten Triumphe. Da kam es schon einmal vor, daß Maja innerhalb von drei Tagen fünftausend Mark machte. Ich schluckte trocken. Besann mich dann aber auf meine eingespielte Rolle. Los, sagte ich, aussteigen und den Gewinn realisiert. Eine vollkommen abwegige Idee in ihren Augen.