Paul Samuelson ist einer der einflußreichsten Ökonomen des Jahrhunderts.

Und ein Realist. "Die Volkswirtschaftslehre ist keine exakte Wissenschaft, trotzdem ist sie mehr als eine Kunst" lautet das Credo seines Lehrbuchs. Sein Ziel sei es immer gewesen, "zwischen rivalisierenden Fanatikern zu entscheiden und zu vermitteln". Und zwar wissenschaftlich sauber. Samuelson weiß, daß man dabei niemals Gewißheit erlangen kann. "Dir fehlt das wunderbare Wörtchen ,vielleicht'", rügte er einst einen anderen Nobelpreisträger: Milton Friedman.

Zehn Jahre hat es bis zur neuen deutschen Ausgabe seines Buchs gedauert. Der alte Samuelson ist darin kaum wiederzuerkennen. Begann die vergangene Ausgabe mit der Makroökonomie, der Wirtschaft als Ganzem also, so besetzt im neuen Buch die mikroökonomische Lehre der Preise, Mengen und Einzelmärkte die ersten Kapitel. Dabei wird jedoch die starre Unterscheidung zwischen den beiden Teildisziplinen unterbrochen. Nach dem Mikroteil kommen verbindende Themen wie Einkommensverteilung und Gerechtigkeit, Effizienz und Umwelt. Erst dann folgt Makro. Der letzte Teil, internationaler Handel und Weltwirtschaft, ist ebenfalls neu gestaltet.

Seine Forderung "Die Wirtschaftswissenschaft muß jung bleiben" löste Samuelson auch durch die Wahl seines Koautors ein. Er gesteht William Nordhaus einen eigenen Standpunkt zu, wichtig ist ihm nur, daß sein Buch auf der Höhe der Zeit bleibt. Das Lehrbuch als Dauerknüller: Die Volkswirtschaftslehre von Paul A. Samuelson wurde sogar in der Sowjetunion übersetzt. Inzwischen wird die ehemalige Ökonomenbibel in ganz Osteuropa verwendet. Wie Samuelson suchen diese Staaten nicht nach dem reinen Kapitalismus, sondern nach einem menschengerechten Wirtschaftssystem.

Stets hat Samuelson neue Entwicklungen in sein Gedankengebäude aufgenommen.

1948 machte er als erster den Ansatz der Makroökonomie zum standardisierten Lehrstoff: die Lehre von den bestimmenden Faktoren für Wachstum, Inflation, Arbeitslosigkeit und andere gesamtwirtschaftliche Phänomene. Später nahm die Mikroökonomie, die das Geschehen auf einzelnen Märkten untersucht, breiteren Raum in seinem Buch ein.

Vorwürfe mußte Samuelson immer ertragen. Eine Klage: Der Meister, der so vehement für die Wettbewerbskontrolle eintritt, würde den Markt für ökonomische Lehrbücher kontrollieren. In der McCarthy-Ära wurde er wegen seiner Ideen für ein pragmatisches "Mischsystem" zwischen Markt und Staat kritisiert. Aber, so der Gescholtene, "in der Praxis wird zumeist der Schmerz, wenn man von rechts geohrfeigt wird, durch eine Ohrfeige von der Linken gemildert".