Alois Bucher aus Zeitlarn bei Regensburg will für die Republikaner in den Münchner Landtag. In der Wirtschaft Zum Bauern im Nachbarort Duggendorf spricht der 50jährige Landwirt und Gemeinderat von Wasserschutz, Umgehungsstraßen, dem Jubiläum des Kegelclubs. Und davon, daß die CSU, der er früher angehörte, die Interessen der kleinen Deutschen, der Kleinbauern, Handwerker und Arbeiter vergesse und nur Ausländer, Großunternehmen und die Agrarkonzerne vertrete. "Jawoll!" rufen die zehn Zuhörer.

Bucher entspricht den Vorstellungen Rolf Schlierers, des Bundesvorsitzenden der Republikaner: er ist bodenständig, nationalkonservativ und vor allem - präsentabel. Schlierer, 43jähriger Arzt und Rechtsanwalt aus Stuttgart, hatte 1994 Franz Schönhuber entmachtet und die Parteiführung an sich gerissen.

Zusammen mit seinem Stellvertreter, dem bayerischen Landesvorsitzenden Johann Gärtner, versucht er seither, die Republikaner jenseits von braunen Protestparteien wie DVU und NPD als glaubwürdige, verfassungstreue Deutschnationale rechts der CSU zu präsentieren.

Seine Linie ist umstritten. Der bayerische Verfassungsschutz schätzt, daß ein Drittel der rund 15 500 Parteimitglieder eher mit dem zweiten Vize der Republikaner, Christian Käs, übereinstimme: Der plädiert für "ein Ende der Leisetreterei" und für Bündnisse mit anderen Rechtsextremen. Schlierer und Gärtner stehen unter Erfolgszwang. Kurshalten können sie nur, wenn Gärtner im Gründungsland der Rechtspartei erstmals gelingt, was Schlierer schon zweimal in Baden-Württemberg schaffte: eine Republikaner-Fraktion in den Landtag zu bringen.

Das scheint möglich. Zwar buhlen auch die Freien Wähler, Manfred Brunners Bund Freier Bürger und die NPD um die Stimmen Nationalkonservativer. Doch nach den Umfragen liegen die Republikaner in diesem Lager eindeutig vorn - mit einem Stimmenanteil von bis zu vier Prozent. Daß diese Basis einer Rechtsaußenpartei den Sprung ins Parlament ermöglichen kann, haben Republikaner und DVU in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt gezeigt. Dort wurden die Rechtsextremisten vor der Wahl ähnlich bewertet. Später saßen sie mit 9,1 und 12,9 Prozent in den Landtagen.

Das weiß auch die CSU. Anders als bei den Wahlen 1994 haben sich die Christsozialen auf interne Argumentationspapiere für Mitglieder beschränkt und auf eine Rechtsextremenbroschüre für die Wähler verzichtet. "Ignorieren" heißt das Motto. Doch die harten Töne von Innenminister Günther Beckstein im Fall Mehmet und die Forderung des Münchner CSU-Chefs Peter Gauweiler nach einer Zuzugssperre für Ausländer zeigen die parteiinterne Beunruhigung. Die Republikaner versuchen, offene Ausländerhetze vor Publikum zu meiden. So wollen sie den Münchner Verfassungsschutz zwingen, die Beobachtung der Partei als rechtsextreme Vereinigung aufzugeben.

Ob der gemäßigte Kurs langfristig bei der Klientel der Republikaner ankommt, ist dennoch fraglich. Im Kolpinghaus von Kempten referiert der 47jährige Kleinunternehmer Gärtner, der zum zweitenmal in den Kreistag von Aichach-Friedberg gewählt wurde, über den Schutz des bayerischen Mittelstandes, über Kleinbauern und Risikokapital. "Deutschlands Interessen zuerst!" steht auf Plakaten an der Wand. Die 150 Zuhörer tuscheln und bestellen Bier. Begeisterung kommt erst auf, als der Kemptener Landtagskandidat Hermann Reichertz, ein pensionierter Bundeswehrsoldat, Türken und Juden beschimpft und die Ehre der Wehrmachtsoldaten beschwört - wie früher.