Armani, Versace, Missoni, Gucci, Fendi - die Könige unter den italienischen Modemachern sind bereits seit einer Generation weltbekannt. Bei ihren Kunden genießen sie blindes Vertrauen, allein ihre berühmten Namen rechtfertigen stolze Preise. Das Mailänder Modeunternehmen Prada hingegen gehört erst seit einem Jahrzehnt zu diesem erlauchten Kreis. Seither wuchs der Jahresumsatz von 30 Millionen Mark auf 1,2 Milliarden - ein ehemals bescheidenes Familienunternehmen hat sich in den Weltmarkt katapultiert. Die Krönung des Aufstiegs: Für fast eine halbe Milliarde Mark kaufte Prada jüngst eine Beteiligung in Höhe von 9,5 Prozent an dem Nobelhaus Gucci - als gute Geldanlage und strategisches Investment, erklärt Prada-Chef Patrizio Bertelli.

Vor 75 Jahren, im Jahr 1923, eröffnete Mario Prada sein traditionelles Lederwarengeschäft in der Mailänder Galerie am Domplatz. Doch erst nachdem Marios Enkelin, die Designerin Miuccia Prada, 1979 den Familienbetrieb übernommen und den toskanischen Lederwarenhändler Patrizio Bertelli geheiratet hatte, setzte das Unternehmen auf Expansion. Als anarchischen Individualisten beschreibt Italiens Presse den vierschrötigen Draufgänger Bertelli, der sich um die Finanzen des Imperiums kümmert. Der 52jährige wagt Segeltörns über den Atlantik und wird mit umgerechnet 30 Millionen Dollar den America's Cup des Jahres 2000 sponsern.

Erst mal macht Newcomer Bertelli jedoch mit seinem Einstieg beim Altmeister Gucci Furore. In der Branche sorgt die Transaktion für ganz unterschiedliche Resonanz. Santo Versace klatscht Beifall: "Die Strategie von Miuccia und Patrizio Bertelli ist richtig, denn heutzutage sind in der Branche immer stärkere Gesellschaften nötig, um auf dem Markt zu bleiben." Skeptisch ist hingegen Giorgio Armani. Er fürchtet, daß solche Kolosse am Ende den Markt mit immer mehr Kollektionen in immer kürzeren Abständen bombardieren und Einfluß auf die Medien nehmen, um ihren Namen durchzusetzen. "Ich bin über solche Aussichten gar nicht glücklich. Die Kreativität der Couturiers wird so zweitrangig werden", argwöhnt Meister Armani.

Bislang spielen die Modekollektionen bei Pradas Umsatz nur eine Nebenrolle: Sie machen lediglich 28 Prozent des Geschäfts aus. Lederwaren sind mit 42 Prozent immer noch das Kerngeschäft, 30 Prozent des Umsatzes entfallen unter anderem auf Schuhe. Produzieren läßt Prada nur zum geringeren Teil in den eigenen Werken der Tochtergesellschaft I Pelletieri d'Italia. Den Großteil der Ware liefern Hunderte von kleinen Handwerksbetrieben vor allem rund um Florenz, in denen insgesamt etwa 10 000 Menschen arbeiten. Modeneuling Prada hat den Markt mit einer Linie erobert, die nach dem Motto "Weniger scheinen als sein" auf den ersten Blick ambitionslos wirkte - Minimal-Look in gedeckten Unifarben. "Triumph der Häßlichkeit" betitelte eine Fachzeitschrift die Prada-Kollektion. Understatement war angesagt, der Verzicht auf üppige Dekors und hemmungslosen Materialverbrauch, die demonstrative Beschränkung zu Zeiten der wirtschaftlichen Krise. Die Prada-Entwürfe schwammen auf der Welle der Pseudobescheidenheit, der fingierten Armut, präsentiert von erbärmlich mageren Models. Die Idee, diese Gerippe in Plastik zu kleiden, sorgte dann für den Durchbruch. Da hatte Prada bereits mit seinem schwarzen Nylonrucksack die USA erobert. Als modisches Accessoire wurde er weltweit zum Kultobjekt - und zum Musterstück für Imitationen und Fälschungen.

Auch Prada bekommt die Asienkrise zu spüren

Die Antimode mit minimalem Materialeinsatz bescherte Prada maximalen Profit.

Vergangenes Jahr machte das Modeunternehmen über 100 Millionen Mark Gewinn.