Muß der Chef des Thyssen-Aufsichtsrats in Beugehaft? Beharrlich weigert sich Heinz Kriwet seit über einem Jahr, dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel in Frankfurt die Identität eines geheimnisvollen Informanten zu enthüllen. Der große Unbekannte hatte Kriwett am 15. März 1997 streng vertraulich über den feindlichen Übernahmeversuch von Krupp-Chef Gerhard Cromme informiert. Zwei Tage später durchkreuzte ein mit Hilfe einer gezielten Indiskretion lancierter Pressebericht den geheimen Plan. Doch bei ihrer Befragung wegen möglicher Insiderverstöße holten sich die Börsenaufseher bei Kriwet einen Korb.

Geschickt spielte dieser die ihm zugetragene Information als bloßes Gerücht herunter. Überdies habe er dem Anrufer Vertraulichkeit zugesagt. Sowohl das von Kriwet angerufene Frankfurter Verwaltungsgericht als auch der hessische Verwaltungs-Gerichtshof in Kassel wiesen den obersten Thyssen-Aufseher jedoch ab. Nach Zahlung eines Strafgeldes muß Kriwet, sollte er auf seinem Standpunkt bestehen, noch härtere Zwangsmaßnahmen befürchten. Äußerstes Druckmittel, den schweigsamen Konzernmanager zum Reden zu bringen, ist die Verhängung von Beugehaft. Die Börsenaufseher dürften kaum klein beigeben.

Denn Kriwets Informant, so er denn Insider gewesen ist, hätte sich allein schon durch die Weitergabe der heißen Nachricht nach dem Wertpapierhandelsgesetz strafbar gemacht.