Der Schuster ist noch in Portugal. Die Bäckerei ist seit Freitag wieder geöffnet, der Fleischer hat am Wochenende seine Auslagen mit Chlorbleiche gescheuert, und der Polsterer gegenüber sitzt einsam in seinem Geschäft, wie im Juli. In Paris herrscht die rentrée, eine kurze, fünfte Jahreszeit zwischen Sommer und Herbst.

Es ist die süße Zeit der Rückkehr aus dem Leben jenseits der périphérique, des Autobahngürtels. In den bürgerlichen Stadtvierteln der Innenstadt heißt das oft: die Rückkehr vom Sitz der Familie, einem abgelegenen und etwas heruntergekommenen Haus, das der Sippe seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten gehört.

Von fern ist das idyllisch. Die Großfamilie vereinigt sich, Geschwister und Cousins, man hat angenehme Tischgespräche, der Garten ist ein einziger Abenteuerspielplatz.

Bei näherer Betrachtung bedeutet es, daß knapp die Hälfte der Erwachsenen wochenlang bei der Schwiegerfamilie zu Gast ist. Keine Kindheitserinnerungen verklären ihre Wahrnehmung. Die Matratzen sind durchgelegen, knapp zwanzig Personen teilen sich das einzige Bad, und die Küche ist unpraktisch. Angenehm ist das Haus nur mit Personal, und dafür fehlt, zum Beispiel, das Geld.

Abgesehen davon, daß auch ein Dorfmensch heute nicht mehr danach strebt, ein anhänglicher Dienstbote zu werden.

Mit den Wochen gewöhnt man sich an die leichte Staubschicht und den Wackelkontakt in der Leselampe. Eigentlich ist es auch egal, ob der Siebzehnjährige morgens drei Stunden lang badet. Oder ob die Elfjährigen vor laufendem Fernseher frühstücken. Die Ansprüche lassen nach, die Sitten verwildern. Die Kinderbande "braucht" einen Wohnzimmersessel für ihre Ritterburg im Apfelbaum. Außer der Großmutter protestiert niemand mehr.

Ende August haben sich alle an diese Art Camping in festen Mauern gewöhnt.