Kanzler Helmut Kohl machte Druck: "Die immer noch anhaltende Vernichtung des Tropenwaldes muß durch ein Sofortprogramm gestoppt werden." Und der Bonner Regierungschef konnte sich einen Erfolg an seine Fahne heften. Auf sein Betreiben hin beschlossen die Staats- und Regierungschefs auf dem Weltwirtschaftsgipfel, mit Brasilien über einen Plan zur Rettung des Regenwaldes zu verhandeln. Denn dort, im Amazonasbecken, das allein fünfmal so groß ist wie Deutschland, liegt das größte Waldgebiet der Erde - noch.

Kohls Vorstoß ist acht Jahre alt. Damals ließ sich sein Engagement öffentlichkeitswirksam verwerten - schließlich standen Wahlen bevor, und die globalen Klimagefahren waren mehr als heute ein Thema in der politischen Debatte. Nur: Geschehen ist seither wenig. Die Vernichtung des Urwaldes setzt sich mit ungebremstem Tempo fort. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird der Regenwald zu Tode gerettet.

Allein seit dem Beschluß des Weltwirtschaftsgipfels wurde in der Amazonasregion eine Waldfläche zerstört, die größer ist als das Gebiet der neuen Bundesländer. Insgesamt sind dort inzwischen weit über 500 000 Quadratkilometer durch Rodung und Feuer entwaldet (siehe Grafik) - etwa 14 Prozent des ursprünglichen Bestandes. Und von den einst riesigen Urwäldern an der brasilianischen Atlantikküste sind nicht einmal mehr 9 Prozent übriggeblieben.

Doch von einem Sofortprogramm, wie es Kohl formuliert hatte, kann keine Rede sein. Trotz durchaus tauglicher Einzelpunkte wird das zwischen den großen Industrieländern und Brasilien ausgehandelte "Pilotprogramm" (Amtskürzel: PPG7) zur Bewahrung des brasilianischen Tropenwaldes nur schleppend umgesetzt. Von den zwölf vereinbarten Unterprogrammen sind bis heute gerade fünf gestartet worden, die anderen befinden sich - immerhin acht Jahre später - "in Vorbereitung", wie es amtlich heißt.

Schon damals waren die Gipfelpartner nur widerstrebend dem Drängen des Kanzlers gefolgt, entsprechend mager sind ihre Beiträge zu den veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 295 Millionen US-Dollar. Kanada und Italien haben sich sogar ganz zurückgezogen, jetzt hoffen die übrigen Beteiligten auf einen Zuschuß Spaniens. Brasilien selbst liefert einen Eigenbeitrag von dreizehn Prozent, den Löwenanteil von nahezu der Hälfte der Gesamtkosten hat die Bundesregierung zugesagt. Einschließlich bilateraler Projekte hat Deutschland bisher 415 Millionen Mark über die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung gestellt.

Allein die schwierigen Abstimmungsprozesse zwischen den Geberländern führen immer wieder zu Verzögerungen. Die Weltbank, der die Koordinierung übertragen wurde, nehme ihre Aufgabe nur mangelhaft war, kritisieren deutsche Entwicklungsexperten. Sie sei nur an einer schnellen, gießkannenartigen Verteilung des Geldes interessiert. Zudem verfolge sie nicht das Verursacherprinzip bei Umweltzerstörungen, das die Europäer favorisieren, sondern halte eine Entschädigung für jeden für gerechtfertigt, dem künftig die Nutzung des Tropenwaldes versagt bleibe.

In Brasilien hat zwar ein Umdenken stattgefunden. Aber immer noch gibt es starke Widerstände von Politikern, die von einer mächtigen Lobby vor allem der Großgrundbesitzer und Goldschürfer unterstützt werden. Inzwischen existierten durchaus "gute Gesetze" zum Schutz des Tropenwaldes, wie der deutsche Experte und Berater mehrerer brasilianischer Amazonasländer, Hans Jürgen Krüger, feststellt. Doch an deren Durchsetzung hapere es - nicht zuletzt wegen des Kompetenzgerangels zwischen den Bundes- und Landesbehörden im föderal aufgebauten Brasilien.