Einmal in acht Jahren bin ich sein Fan gewesen. Er stand allein auf dem Rasen von Wembley und machte die "Welle" mit den deutschen Zuschauern. Ich, auf der Tribüne, war glücklich. Europameister! Prima fand ich Berti Vogts in diesem Augenblick - und habe mich später ein bißchen geschämt dafür. Zuvor hielt ich ihn für einen schwachen Trainer und auch danach wieder.

Erfolg stimmt versöhnlich, genauso Abschied. Berti Vogts ist nicht mehr Bundestrainer, Erleichterung mischt sich mit einem Hauch Wehmut. Das liegt auch an der Skepsis gegenüber dem Neuen. Vogts gehörte zum Inventar der Bundesrepublik, acht Jahre sind eine lange Zeit, aber auch nur die Hälfte von sechzehn. Dieser Abschied könnte eine kleine Übung für den 27. September sein

Erleichterung und Wehmut, wahrscheinlich wird es die gleiche Mischung.

Vogts in Wembley, Kohl im Kaukasus, Europameisterschaft und deutsche Einheit.

Zählten nur die Höhepunkte, stünden die beiden nicht schlecht da.

Was sie vor allem verbindet, ist Beharrung, ihre Stärke und ihre Schwäche.

Vogts hielt am Libero fest, als andere längst Viererketten aufstellten. Mit einem Libero wurde er 1996 in England Europameister. Mit einem Libero ging er 1998 bei der Weltmeisterschaft in Frankreich unter. Seine Mannschaft war überaltert, Vogts hatte nicht ein Quentchen Mut zu Reformen gehabt.