Irgendwie steckt wieder Hillary Clinton dahinter. Im November vergangenen Jahres diskutierte sie im kleinen Kreis, einem der in Mode kommenden anglo-amerikanischen Expertentreffen, über Fragen der Sozialstaatsreform. Das war in Chequers, dem Landsitz des britischen Premierministers, fernab vom Regierungstrubel. Der First Lady hat das sehr gefallen. Am kommenden Montag, beim akademischen Reformgipfel in der New York University, mit Bill Clinton und Tony Blair als politischen Sponsoren, wird Hillary C. selbstverständlich auf einem der drei Podien über die "Stärkung der Demokratie in der globalen Wirtschaft" mitdiskutieren.

Die Vorbereitungen begannen bald nach Chequers. Anfang des Jahres beschlossen die beiden jungen Staatsmänner mit ihren Beratern, gemeinsam ein langfristiges Projekt über Modernisierungspolitik ins Leben zu rufen. Sie nannten es "Dritter Weg". Darunter sei in etwa die Suche nach einer neuen Politik zwischen marktdogmatischem Neoliberalismus und staatsgläubigem Wohlfahrtssozialismus zu verstehen. Jeder reformwillige Staatsmann ähnlicher Denkungsart sei herzlich willkommen, zum Beispiel Italiens Ex-Christdemokrat Prodi (er wird in New York dabeisein) und Brasiliens Cardoso (er nicht). Keinesfalls sei an eine neue Organisation gedacht, versprach Blair seinen besorgten Genossen vom Alten Kontinent bei einem Treffen im April in der Downing Street. Man sucht einfach nach neuen Perspektiven, das ist alles.

Die üblichen Böswilligen in den Medien äußerten geradezu reflexartig die Vermutung, hier handle es sich um eine besonders raffinierte Form der Öffentlichkeitsarbeit, mit ein wenig Substanz und viel heißer Luft. Von wegen Third Way: Wenn Sidney Blumenthal in Washington und Peter Mandelson in London, zwei besonders ausgefuchste spin-doctors, dahinterstecken (was sie in gewisser Weise tun, wenn auch nicht einfach nur dahinter), dann kann es sich im Prinzip nur um eine Medienoffensive zur Stützung Clintons und zur Vorbereitung der Wiederwahl Tony Blairs handeln.

Eine zumindest legitime Vermutung, die auch einem besonnenen Mann wie Felipe González, selbst auf der Suche nach neuen Wegen, nicht fremd ist (siehe nebenstehendes ZEIT- Gespräch). Eine Politik diesseits von Marktdogmen und Staatswirtschaft wird schließlich auch von anderen Politikern und Parteien diskutiert: Der Sozialstaat wird nicht nur in Großbritannien umgebaut; von alten Wertvorstellungen verabschieden sich nicht nur Bill Clintons New Democrats; und daß man in der Globalisierung auch eine Chance sehen muß, sagt sogar der SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine. Wozu also eine Third Way- Initiative?

Doch andererseits: Gibt es wirklich zu viele großangelegte Debatten über die Zukunft der Demokratie, über Chancen und Gefahren der Globalisierung und der unkontrollierten Finanzströme, über gefährdete Sozialsysteme und die Krise der Erziehung? Wenn die beiden mit den richtigen Initiativen obendrein persönliche Krisen überwinden oder gar Wahlen gewinnen, warum nicht? Ein politischer Streit um den "Dritten Weg" ist allemal interessanter als ein Wahlkampf ohne Themen und Ideen. Aber das nur nebenbei.