Verehrte Leser! Der Herbst hat Einzug gehalten, und die Not des Vergnügens hat nun ein Ende. Die Selbstmordraten sinken, weil niemand zum Glück mehr verpflichtet ist. Es regnet in einem fort, ganz Deutschland sieht aus wie Niedersachsen. Die Trauer ist allgemein geworden und führt zur ebensolchen Entlastung. Man muß das Gute an den Dingen sehen! Wortkarge, depressive Alkoholiker müssen sich nicht mehr einsam fühlen. Offene BMWs verschwinden von den Straßen, das Rollerskating hat bald ein natürliches Ende gefunden. Zellulitis darf wieder sein. Die bauchfreie Mode für die Frau ab Fünfzig gerät vorübergehend in Vergessenheit, das Piercen von Nabel und Zeh lohnt Blut und Schweiß nicht mehr. Behaarte Männerbeine, Longdrinks und Urlaubsfotos sind für zehn Monate erledigt. Tangas, Nogger und Always Ultra verlassen vorübergehend unseren Sprachschatz.

Es ist nur eine kurze Spanne, bis das Weihnachtsgeschäft beginnt, eine Phase der Besinnung und der einfach verfließenden Zeit. Nutzen und genießen wir sie! Besonnene Bürger bedenken ihre Inneneinrichtung, erwägen die Bestellung eines Treppenlifts und prüfen neue Schonbezüge für die Eckgarnitur. Die Kosten einer Zahnbehandlung müssen in diesen Zeiten außerdem bedacht sein. Bessergestellte kaufen noch schnell ein paar Wohnungen in Leipzig oder ein Penthouse am Rande der Fußgängerzone. Weltbürger lesen die Seite "Lebens-Art" der Welt am Sonntag und lassen sich dort über die Anschaffung eines Privatjets beraten. Die neue Gulfstream ist schon ab 66,5 Millionen Mark zu haben, Ledersitze ohne Aufpreis! Allerdings kosten auch das Personal (Kapitän 13000 im Monat, die Stewardeß gibt's schon für schlappe 4000 dazu) und die Versicherung - und im Vorgarten läßt sich das Ding ja schließlich auch nicht abstellen. Können Sie aber alles von der Steuer absetzen!

Das können Sie nicht? Das können Sie lernen. Der Herbst ist eine gute Zeit dafür.