Die Konkurrenten waren geschockt: Ausgerechnet die Mobilfunktochter des ehemaligen Monopolisten Telekom sorgte Ende Juni für Hektik auf dem Markt. Mit der Ankündigung, die Handygebühren zu senken, beendete Kai-Uwe Ricke, der Chef von T-Mobil (D1), eine komfortable Schonzeit. Von da an ging es Schlag auf Schlag.

Vierzehn Tage später reagierte Mannesmann Mobilfunk (D2), der Branchenerste und Erzrivale aus Düsseldorf. Dann setzte eplus, der dritte Mobilfunkbetreiber im Lande, mit niedrigeren Preisen nach. Und nachdem die etablierten Anbieter ihr Pulver verschossen hatten, trat Viag Interkom auf den Plan. Die Münchner Telefongesellschaft startet mit ihrem Mobilfunknetz (E2) am 1. Oktober - und lockt mit einer Tarifvariante, die alle anderen schon wieder alt aussehen läßt.

Echte Preiskämpfe hat sich die Branche bislang stets erspart. Schließlich wuchs die Zahl der Handybesitzer auch trotz der stattlichen Gebühren, die im internationalen Vergleich an der Spitze liegen. Die Mobilfunker hatten leichtes Spiel. Die zunächst umworbenen Geschäftskunden zahlten - ohne groß zu murren. Doch diese Gruppe ist mittlerweile gut versorgt. Wollen die Anbieter so schnell wie bisher weiterwachsen, muß es beim normalen Verbraucher funken.

Trotz des vielgepriesenen Booms liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück. In Finnland und Schweden nutzt schon fast jeder zweite Einwohner ein Handy. Hierzulande sind es erst zehn von hundert. Kein Wunder: In Schweden werden neuerdings drei Geräte im Paket verkauft - zwar nicht zu Schleuderpreisen wie hierzulande, aber dafür können alle untereinander kostenlos telefonieren.

Ganz so einfach ist der Gebührenvergleich mit anderen Ländern jedoch nicht. Denn obwohl es ursprünglich niemand wollte, entstand auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ein irrwitziger Subventionswettlauf. So bieten die Netzbetreiber, weit unter den realen Preisen, spotbillige Handys an. Und für jeden neuen Kunden zahlen sie den Händlern stattliche Provisionen. Die nutzen das Kopfgeld, um die Gerätepreise ebenfalls zu drücken. So verkommen die High-Tech-Produkte, die eigentlich zwischen 500 und 2000 Mark kosten müßten, zur billigen Ramschware: Manchmal sind sie schon für eine Mark zu haben - aber nur in Verbindung mit einem Vertrag.

Die Folge: Die Kunden müssen sich meist zwei lange Jahre an einen Anbieter binden. Über die hohen Gebühren zahlen sie dann den tatsächlichen Handypreis praktisch auf Raten zurück. Für viele kommt deshalb mit der ersten Rechnung gleichzeitig der Schock. Derlei Kopplungsgeschäfte lehnen Verbraucherschützer ab. "Ein Verbot der Lockangebote würde für mehr Preistransparenz sorgen", sagt Helga Kuhn von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände. Demnächst wird der Bundesgerichtshof darüber entscheiden.

Seit Mitte 1992 betreiben D1 und D2 ihr einträgliches Geschäft. Mannesmann war der erste Rivale für die Telekom beim Mobilfunk. Mitte 1994 startete eplus das dritte Netz. Zwar war die heutige Tochter von o.tel.o. stets etwas billiger als ihre Kontrahenten. Doch mit 1,6 Millionen Teilnehmern blieb eplus der Benjamin unter den Anbietern. Beim Start hatten D1 und D2 den lukrativen Markt der vieltelefonierenden Geschäftskunden längst fest im Griff. Und vielen ging der Ausbau des Netzes, trotz Rekordzeit, nicht schnell genug. Zu lange mutete man den Kunden regionale Funklöcher zu.