Woher kam bloß das Studiopublikum der DJ-Bobo-Show, das in der Mehrheit über 18 war? Da hat jemand nachgeholfen, denn freiwillig überlassen sich nur Teenies diesem braven Schmiersound. Es ist wohl so, daß das Jungbleibenwollen immer früher anfängt. Schon Zwanzigjährige vermissen das Pubertätsfeeling.

DJ Bobo, ein Sänger und Tänzer aus der Schweiz steht für saubere und unkomplizierte musikalische Erbauung, sein Zielpublikum geht noch zur Schule. Also durfte man gespannt sein, wie er mit diesem eng umschriebenen Image eine Samstagabend-Show auf RTL stemmen wollte.

Nein, man wünscht sich keine Fortsetzung dieses Blauen Bocks für Kurze und fragt sich doch, worin der Reiz der Verkindlichung von Rock und Pop wohl liegt. Zunächst: Da ist ein Publikum, unmündig zwar und abends um zehn im Bett, aber kaufkräftig und sehnsüchtig und ans Fernsehen gewöhnt. Neben Sport und Technik ist es die Musik , die als allgegenwärtiges Medium die Grünschnabel-Generation vereint, und aus dem Wunsch nach Dazugehörigkeit per Sound läßt sich was machen: CDs, Jungstars, Shows, kurz: Geschäft. Damit das alles läuft wie geschnitten Brot, muß es kinderzimmmerkompatibel sein, was für Nachwuchssänger Nick bedeutet, daß er eine Punk-Version von "Heidi - deine Welt sind die Berge" schrammelt. Da dürfen sich die 14jährigen daran erinnern, wie es war, als sie in die Schule kamen.

Sind Eltern damit einverstanden, daß die Träume ihrer Kinder so kraß vermarktet werden? O nein, sie haben eine Menge dagegen und beklagen sich lautstark - anstatt zu bedenken, daß Kindermilieus immer eine Miniaturausgabe dessen sind, was sie, die Erwachsenen, treiben. Und daß man es den Kleinen nicht abgewöhnen kann, so sein zu wollen wie die Großen. Auch Kids möchten sich jung fühlen, "ihre" Show haben und einen netten DJ, der die Hüften schwenkt. Die Mini-Playback-Show ist insofern mehr als eine Sendung, sie ist ein Paradigma. Und DJ Bobo die Vorabendversion von Karl Moik.