Braunes Linoleum, Resopaltische, Tafelkreide - ein Wettbüro stellt man sich anders vor, zumal wenn der Wettgegner "die Bundesregierung" ist und es um nichts Geringeres geht als die Rettung der Welt.

Einen Beitrag dazu haben die jungen Leute im Sinn, die da in einem winzigen Zimmer der Berliner Fichtelberg-Schule am Internet hängen. Wie auch immer die Bundesregierung Ende September aussehen wird, Schüler von Amrum bis Zwiesel wollen beweisen, daß sie es besser können als die Regierenden.

Um den Politikern Beine zu machen, hat die Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine Wette ins Leben gerufen. Innerhalb von sieben Monaten sollen Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland den Ausstoß des Klimakillers CO2 an ihren Schulen um zehn Prozent reduzieren.

Zehn Prozent weniger Kohlendioxid - das ist exakt die Menge, die die Bundesrepublik bis zum Jahr 2005 einsparen müßte, um ihr auf dem Umweltgipfel in Rio gegebenes Versprechen einzuhalten. Was die Regierung in sieben Jahren schaffen will, wollen die Schüler in sieben Monaten vormachen, indem sie zu Tausenden intensiv nach Energiesparmöglichkeiten fahnden und damit zehn Millionen Kilogramm Kohlendioxid wegsparen.

Das Unabhängige Institut für Umweltfragen in Berlin will die Kampagne begleiten und hat dafür einen Aktionsplan mit Rechenexempeln aufgestellt: Wenn 800 Schüler ein Jahr lang ihr Pausenbrot nicht in Alufolie einwickeln, sondern in die gute alte Butterbrotdose packen, spart das 12 000 Kilogramm CO2

jeder Packen Umweltpapier im Schulkopierer bringt gut drei Kilogramm CO2 weniger als gebleichtes Papier. Das Wettziel ist auch zu erreichen, wenn auf 769 Millionen Tassen heiße Schokolade verzichtet wird oder 4,4 Milliarden Socken mit der Hand gewaschen werden. Weitere Möglichkeiten: Jede zweite Glühlampe im Schulflur herausschrauben, die Stand-by-Funktion aller elektrischen Geräte ausschalten, die Klassenzimmer nur noch stoßweise durchlüften, die Schulheizung nachts herunterfahren, Cola-Büchsen und Pappteller aus der Schulkantine verbannen, auf Papas Chauffeurdienste verzichten und mit dem Rad zur Schule kommen.

Im "Wettbüro" zeigen Claudia König und Antje Witting, die Koordinatorinnen des Projekts, auf eine Deutschlandkarte mit bunten Fähnchen. Orange, das sind die Schulen, die sich schon zur Teilnahme verpflichtet haben, Grün steht für noch nicht recht Entschiedene, Rot für die Laberer, die Landesbeauftragten der Kampagne, die Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Hausmeister zum Mitmachen überreden ("belabern") sollen. Fünfundfünfzig Schulen haben sich bisher verbindlich zum Mitmachen entschlossen. Die Landkarte von Sachsen und Thüringen zeigt noch viele leere Flecken, Berlin und Nordrhein-Westfalen sind mit Fähnchen gut bestückt. Videoclips, Aufkleber, Pressekonferenzen, Aktionstips und Wettformulare im Internet sollen die Aktion voranbringen.