Im Literaturhaus in der Berliner Fasanenstraße wurde der vom Autorenkreis der Bundesrepublik gestiftete, mit 20 000 Mark dotierte Hans-Sahl-Preis an den Schriftsteller Edgar Hilsenrath verliehen. Hilsenrath, 1926 in Leipzig geboren, Überlebender des Holocaust, mußte nach dem Krieg noch einmal flüchten, diesmal aus dem stalinistischen Rumänien. Aus den USA kam er 1975 nach Berlin. "Wie überlebt man das Überleben?" ist die Frage seines Lebens und Schreibens. Sein 1977 erschienener Roman Der Nazi und der Friseur führte in überzeugender Weise das Mittel der Groteske in die Darstellung der Grauen des Holocaust ein. Die Ehrung galt aber nicht nur seiner literarischen Leistung, sondern auch seinem beharrlichen Einsatz gegen das Vergessen der Unmenschlichkeit in jeder Gestalt. Auch die armenische Gemeinde in Berlin gratulierte. Denn Hilsenrath hat dem türkischen Massaker an den Armeniern 1915 mit seinem Roman Das Märchen vom letzten Gedanken ein literarisches Mahnmal errichtet.