Wer hat Angst vor Blockflöten? Niemand? Trotzdem kursiert noch immer (verdächtig beharrlich) der alte Witz: "Welches Instrument ist noch schrecklicher als eine Blockflöte?" Zwangsläufige Antwort: "Zwei Blockflöten." Klingt lustig, aber Vorsicht!: Hier spielen drei Blockflöten - das Trio Diritto mit Werken von sieben Komponisten: without compression (Cybele 260 501, Am Maiblümchen 24, 40699 Erkrath, Fax 02104/352 25).

Die zeitgenössische Musik hat keine Scheu vor Nischenwesen, vor Instrumenten, die im Verborgenen wohnen und im Stillen wuseln. Sie sucht in entlegenen Kammern noch die schüchternen Geschöpfe auf und horcht ihre merkwürdigen Klänge ab. Zoologisch betrachtet gehört die Spezies Blockflöte zur Gattung der zarten Instrumente. Sie hat einen nur geringen Tonumfang, bildet aber eine Familie, die vom großen Onkel mit der bassen Stimme bis zum kleinen Enkelchen, das so süß sopranino fiept, immerhin vier Oktaven zusammenbringt.

Sein zartes Stimmchen, das, in Rage geraten, bestenfalls keifend, nie aber laut klingen kann, hat im Orchester keine Chance.

Rolf Riehm, der Frankfurter Komponist, suchte die flauto dolce in ihren Kammern auf und schrieb sein Werk without compression. Es ist, der Titel sagt es, ein Spiel mit dem Unterdruck. Bei zu geringem Blasdruck sackt der Ton weg, er kollabiert, verweht. So klingt der Wind, das unstete Kind. Mit mittlerem Druck geblasen, ist die Blockflöte das vogelähnlichste Instrument, ein Instrument des Waldes. In mancher Stunde schwirren, girren und flattern die Klanglinien, in finstrer Nacht kollern die tiefen Register, durchdringt Kauzgeschrei den stillen Raum. Ein Idyll.

Aber durch die Instrumente spricht ja doch wieder der Mensch, da er sie mit seinem Atem und seinen Bewegungen betreibt. Sie imitieren seine Laute und ahmen die Regungen seiner Freuden und Leiden nach. Ein Spiel der Mimesis, die Seele wird zum Klang.

Die Musik hat sich auch der menschlichen Geselligkeit, den Bedürfnissen des homo ludens anverwandelt. Georg Kröll zeigt das in Round of Talk, einer aufgekratzten Runde dreier Individuen, die in mittelalterlicher Rondeliusfreude dem Reigenspiel im Kanon frönen und ihre Klanglinien als freie Gesten in die Luft zeichnen. In dreistimmiger Rede nehmen sich die Musiker in jagender Gedankenfolge das Thema aus dem Mund, sprechen es weiter, spinnen es fort. Es ist eine Lust, dem Trio Diritto beizuwohnen und sich durch die Klangbiotope führen zu lassen. Denn auch die fünf weiteren Stücke zeigen, jedes auf seine Weise, welch prächtige Fülle an Weltwinkeln sich in den Reservaten der kleinen Instrumente findet.