Sieht so eine Machtzentrale aus? Ein muffiger Nachkriegsbau mit Konferenzsälen, die wie ein Museum der 50er Jahre wirken, daneben eine umgebaute Husarenkaserne, in der es bei feuchtwarmem Wetter angeblich noch nach Pferdemist riecht, und als architektonischer Höhepunkt ein paar glanzlose Zweckbauten jüngeren Datums - beeindruckend ist allenfalls die Dürftigkeit der Anlage. Ginge es nach der Ausstrahlung seines Amtssitzes, hätte der Bundesfinanzminister keine Chance, von seinem italienischen oder französischen Kollegen als gleichwertig akzeptiert zu werden.

Aber Äußerlichkeiten täuschen. Das Bundesministerium der Finanzen ist nicht nur eines der klassischen Ministerien. Es hat auch in den vergangenen Jahren so massiv an Einfluß gewonnen, daß es nach dem Kanzleramt die wichtigste Schaltstelle der Macht ist. Ob es um nationale Reformen, ökonomische Bewältigung des DDR-Erbes, europäische Integration, Kooperation mit den Vereinigten Staaten und Japan oder internationales Krisenmanagement geht, im Zentrum des Geschehens steht das unscheinbare Ministerium im Bonner Norden.

Das war nicht immer so. Die Zuständigkeit für Geld, Währungspolitik und Finanzmärkte holte erst 1972 Helmut Schmidt ins BMF - so das amtliche Kürzel.

Mit dieser Operation degradierte er das Wirtschaftsministerium zu einer wirtschaftspolitischen Rednerbühne mit angeschlossener Subventionsabteilung.

"Außer Rhetorik haben die keine Instrumente mehr", formuliert ein BMF-Beamter wenig schmeichelhaft, "auf die kommt es heute nicht mehr an." Wie alle seine Kollegen will er nicht namentlich erwähnt werden.

"Seit dem Ende des Kalten Kriegs läuft mehr über Kohle"

Später waren andere Ressorts die Leidtragenden der Expansion. Bei der Vorbereitung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wurde das Auswärtige Amt, bis dato unbestrittener Gestalter der Europapolitik, an die Seite gedrängt. Alle finanz- und wirtschaftspolitischen Teile des Vertrages handelten die Finanzminister selber aus. Auch heute findet die praktische Integrationsarbeit eher in ihrem Kreis statt als bei den Außenamtschefs. Die Außenpolitiker müssen sich immer mehr mit symbolischen Gesten begnügen. Ein Beamter aus der Grundsatzabteilung des Ministeriums bringt es auf die saloppe Formel: "Seit dem Ende des Kalten Kriegs läuft in der Europapolitik viel mehr über Kohle."