Vor ein paar Tagen bot mir die Sparkasse zu Bonn für eine faktisch risikolose einjährige Anlage auf einem Sparbuch 4 Prozent Zins. Die durchschnittliche Umlaufrendite für mehrjährige öffentliche Anleihen war gerade unter 4 Prozent auf eben 3,86 Prozent gefallen. Irre Zustände, wenn man für risikolose kurzfristige Anlagen höhere Zinsen bekommt als für mittelfristige, die in eine immer ungewisser werdende Zukunft reichen.

Für den kurzfristigen Zins der Mark ist noch die Deutsche Bundesbank in Frankfurt zuständig. Bis zum 31. Dezember bestimmt sie den Zinssatz, zu dem sich Banken bei ihr kurzfristig Geld borgen können. Die Frankfurter Hüter der Mark - der europäischen Ankerwährung - verlangen dafür bei einer Inflationsrate von praktisch null zu hohe 3,5 Prozent Zins (Diskontsatz). Und setzen damit eine steile Hürde für alle künftigen Euro-Partner.

Wenn der bürokratisch gesetzte kurzfristige Zins nahe bei dem Zins auf den Kapitalmärkten liegt, dann parken die Anleger ihr Geld lieber kurzfristig.

Folge: das Kapitalangebot auf den mittelfristigen, riskanteren Märkten geht zurück. Das Zinsniveau bleibt zu hoch. So werden Investitionen, die Arbeitsplätze schaffen könnten, zu teuer - die Pferde saufen nicht. Wachstum ade.

Nun hat die japanische Notenbank gerade ihren Leitzins auf 0,25 Prozent gesenkt. Der amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan hat klargestellt, daß seine Notenbank die Zinsen eher senken denn auf dem heutigen Niveau halten wird. Die Bank of England hat sich in gleicher Weise öffentlich festgelegt. Und Deutschlands Notenbanker, wie reagieren sie auf die weltweite Gefahr eines drohenden Abschwungs und eines weiteren Abwertungswettlaufs von Brasilien bis zum gebeutelten Asien?

"Braun gebrannt und entspannt", wie die Londoner Financial Times höhnt, haben Mitglieder des Zentralbankrates wie der "Provinzfalke" Franz-Christoph Zeitler aus Bayern und dessen ihm nacheifernder Brandenburger Kollege Klaus-Dieter Kühbacher Zinssenkungen flugs abgelehnt. Der Hesse Ernst Welteke - ansonsten differenziert im Urteil - tutete ins gleiche Horn. Auch er gab sich unbeeindruckt davon, daß schon die Ankündigung des deutschen Alleingangs prompt den Fall von Dollar, Yen und Pfund beschleunigte.

Wen schert eigentlich die damit verbundene Beeinträchtigung des Exports, des - fast - einzigen deutschen Konjunkturmotors? Haben wir ein Inflationsproblem? Davon reden selbst Notenbanker nicht - bei gesamtwirtschaftlichen Preisraten von 0,7 Prozent in Westdeutschland und 0,8 Prozent in den neuen Ländern.