Nächtelang beobachtete Maria Winkelmann im Wechsel mit ihrem Mann den Sternenhimmel. Während der eine schlief, saß die andere am Fernrohr und umgekehrt. Mühselige Routinearbeit. Bis Frau Winkelmann eines Abends endlich etwas Ungewöhnliches entdeckte: einen neuen Kometen! Wurde sie dadurch zur bekannten Forscherin? Mitnichten. Den Ruhm erntete ausschließlich ihr Mann Gottfried Kirch, der Astronom an der Berliner Akademie der Wissenschaften war. Frauen waren in der Wissenschaft nicht vorgesehen. Und obwohl Maria Winkelmann mehr als zehn Jahre alle Amtspflichten mit ihrem Gatten teilte, weigerte sich die Berliner Akademie nach Gottfrieds Ableben, ihr seine Stelle als Astronom anzubieten. Den Posten erhielt später ihr Sohn.

Eine typische Geschichte des 17. Jahrhunderts. Für Margaret Wertheim allerdings ist die Diskriminierung der Frauen in der Wissenschaft heute noch nicht beendet. "Selbst in unserer vom feministischen Denken geprägten Zeit bleiben Physik und Astronomie weitgehend von Männern beherrscht", behauptet sie und führt als Beleg beispielsweise die Zahl der weiblichen Collegeabsolventen an. Während in Biologie oder Chemie das Geschlechterverhältnis in den Vereinigten Staaten etwa ausgewogen ist, stellen die Frauen in Physik und Astronomie nur einen Anteil von 15 Prozent.

Noch weniger Studentinnen promovieren in diesen Fächern.

Auch Margaret Wertheim gab ihr Physik- und Mathematikstudium vor der Doktorarbeit auf und wurde lieber Wissenschaftsjournalistin. "Ich hatte durchaus nicht den Glauben an den Wert der Physik verloren, aber ich fühlte mich abgestoßen von der Atmosphäre, in der man sich mit ihr beschäftigte."

Eine Atmosphäre, die das ehemalige Fotomodell Wertheim an ein Kloster erinnerte, weltabgewandt und geprägt von "dekadenten Priestern", die um Einsicht in ein geheimnisvolles, abstraktes Wissen ringen.

In ihrem provozierenden Buch "Die Hosen des Pythagoras" holt Margaret Wertheim nun zum Gegenangriff aus. "Physik ist ... die katholische Kirche der Wissenschaft." Sowenig den Frauen erlaubt werde, das Buch Gottes auszulegen, sowenig solle ihnen zugestanden werden, das Buch der Natur zu entziffern. Der jahrhundertealte Alleinanspruch der Männer auf Transzendenz habe zum Ausschluß der Frauen aus der Kirche wie aus der Physik geführt.

Die Wurzeln dieser Entwicklung reichen nach Wertheims Ansicht zurück bis in die Antike. Mit dem Satz "Alles ist Zahl" faßte Pythagoras bereits im 6.