die zeit: Wladimir Olegowitsch, Sie hatten in den vergangenen Jahren stets einen hervorragenden Draht zu den Reformern in der Regierung. Jetzt haben wieder Vertreter der alten sowjetischen Elite das Sagen im Weißen Haus und in der Zentralbank. Hat man Ihnen die Regierungsleitung schon gekappt?

Wladimir Potanin: Nein, das hat man nicht. Ich habe auch zum Premierminister Jewgenij Primakow einen guten Draht. Und mit seinem Ersten Vizepremier Jurij Masljukow habe ich bereits mehrfach gesprochen. Ich halte ihn für einen vernünftigen Ökonomen, obwohl er in der Kommunistischen Partei ist. Die Frage ist allerdings, ob Masljukow so handelt, wie es ihm sein Verstand sagt, oder ob er der Ideologie seiner Partei folgen muß. Das würde uns um Jahre zurückwerfen.

zeit: Die Kommunisten möchten strategisch wichtige Unternehmen verstaatlichen - genau die Aktiengesellschaften also, die zu Ihrer Holding gehören. Fürchten Sie, enteignet zu werden?

Potanin: Ich hoffe, daß wir ausreichend Kräfte in unserer Gesellschaft haben, die eine solche Entwicklung verhindern. Unser Land hat sich verändert, die Menschen haben sich verändert. Die Sowjetunion ist zusammengebrochen, weil Privateigentum und unternehmerische Initiative verboten waren. Zu einem solchen System zurückzukehren wäre völlig irrational. Rußland würde daran zugrunde gehen.

zeit: Die russischen Bankiers haben Anteil daran, daß jetzt der Rückwärtsgang eingelegt wird. Im vergangenen Jahr haben Ihre Streitigkeiten mit Ihren Konkurrenten dafür gesorgt, daß eine Regierungskrise ausbrach und die Wirtschaftsreformen zum Stillstand kamen.

Potanin: Ja, der Bankenkrieg hat das Vertrauen in die Regierung geschwächt.

Das war schlecht, und alle, die daran beteiligt waren, tragen dafür die Verantwortung. Und somit tragen auch wir eine Teilverantwortung.