Armer Bundeskanzler! Was ist da nur schiefgegangen? Sechzehn Jahre ist Herr Kohl nun Bundeskanzler, so lange, daß sich fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung an keine Vorgänger mehr erinnern kann. Doch was bleibt nach der längsten Amtszeit eines deutschen Kanzlers? Neben der Wiedervereinigung und den internationalen Erfolgen (Europa, Friedenssicherung) sind innenpolitisch nur Mißverständnisse auszumachen!

Weder die Bevölkerung (blühende Landschaften) noch die anderen Parteien (Steuerreform) haben ihn jemals richtig verstanden. Gegebene Wahlversprechen, die sich nicht einlösen lassen (Halbierung der Arbeitslosenzahl), liegen jetzt in anderer Verantwortung beziehungsweise waren nie in der Form existent, wie alle es verstanden hatten. Die große Steuerreform hat wegen mangelnder Unterstützung der Opposition auch nicht stattgefunden. Europa ist nicht mehr das große Ziel, sondern beginnt Deutschland mit umzusetzenden Gesetzentwürfen und Richtlinien im Umweltschutz, in der Landwirtschaft immer mehr in die Enge zu treiben. Nach wiederholtem Lesen des Interviews und der gewonnenen Klarheit, daß andere - zumindest in den letzten acht Jahren oder auch in 50 Prozent der Amtszeit des Herrn Kohl - dafür verantwortlich waren, daß er seine großen Ziele nicht umsetzen konnte, bleibt nur eine Frage offen: Warum tut er uns, sich selber und sogar seiner eigenen Partei den Versuch einer Wiederwahl an?

Lars Hufnagel, Coburg

Ich will mich nicht mehr von Dr. Helmut Kohl regieren lassen.

Dr. Gerhard Weiss, Hürth

Könnte Franz Josef Strauß selig das ZEIT-Gespräch mit Helmut Kohl noch lesen, dann würde er wohl tief seufzen und sagen: "Mein Gott, er hat es nie gekonnt und ist es doch 16 Jahre geblieben. Jetzt glaubt er, ein großer Kanzler zu sein. Mir wird ganz übel!"

Prof. Paul Meisen, Tokyo