Es war einer dieser trägen Nachmittage, als im ARD-Studio Rom unvermutet das Chaos ausbrach. Gerade kam ein Kamerateam vom Dreh zurück, als das Telex meldete: Der Verleger Gianfranco Feltrinelli ist in der Nähe von Mailand durch eine Bombe ums Leben gekommen.

Ein Team nach Mailand, sofort! Der Kameramann stand zur Verfügung, aber kein Tonmann. So fragte man den Praktikanten, den so recht noch niemand wahrgenommen hatte, ob er Ton machen könne.

Da ich eine Woche zuvor an einem solchen Gerät kurz eingewiesen worden war, fühlte ich mich imstande, verlegen zu nicken. Eine Stunde später saß ich im Flugzeug nach Mailand, nach einer weiteren Stunde hatte ich Franca Magnani ein Mikrophon um den Hals zu hängen und das Kabel möglichst unsichtbar an ihrer Kostümjacke zu verstecken. Sie begann ihren Bericht so, wie ich es zu Hause schon oft gesehen hatte: mit einem Statement direkt vor dem Strommast, am Ort des Geschehens.

Es war der Beginn einer Freundschaft, die mit diesem Chaos begann und mit dem Tod Franca Magnanis am 28. Oktober 1996 nicht endete.

Franca Magnani steckte nicht nur voller Geschichten, sie konnte sie auch großartig erzählen. Auf Drängen ihrer Kinder schrieb sie einen Teil dieser Erlebnisse auf. "Eine italienische Familie" breitete die Geschichte ihrer Jugend im Schweizer Exil und ihrer Rückkehr nach dem Zweiten Weltkrieg aus.

Natürlich haben ihre Kinder und Enkelkinder sie gedrängt, diese Geschichte weiterzuerzählen. So machte sie sich daran, aus Textmaterial von Fernsehsendungen, Beiträgen für Zeitungen und Zeitschriften und aus ihrem großen Archiv ein zweites Buch zusammenzustellen: "Mein Italien".

Es war nahezu fertig, als Franca Magnani starb. Ihre Kinder Sabina und Marco übernahmen es, das Begonnene zu vollenden - sicher auch ein Stück Trauerarbeit. Denn in diesen oft aus aktuellem Anlaß geschriebenen Texten wird die Autorin wieder lebendig.