Der englische Schriftsteller Nick Hornby ist über seinen Enthusiasmus für die Fußballmannschaft Arsenal London zum Schreiben gekommen. In seinem autobiografischen Debüt Fever Pitch hält der bei Erscheinen des Buches 1992 fünfunddreißig Jahre alte Autor nur solche Erinnerungen für erzählenswert, in denen Fußball eine Rolle spielt. Die Beziehung zum Vater, der Horror in der Schule, die Tristesse in der Vorstadt. Streß mit der Pubertät, der Ausbruch aus dem Elternhaus, das Eintauchen in die Popkultur, erste Erfahrungen mit Mädchen, zweite Erfahrungen mit Frauen, der Aufstieg vom heimlichen Sympathisanten der Hooligans zum bürgerlichen Familienvater und Schullehrer: die Wendepunkte des Lebens gehen immer einher mit dramatischen Ereignissen im Fußballverein: "Wann endete meine erste wirkliche Liebesgeschichte? Am Tag nach einem enttäuschenden 2 : 2 Unentschieden gegen Coventry 1981."

Kaum zu glauben, daß in seinem Leben noch Platz für eine zweite, ebenso tiefe Obsession ist, die sein Mitteilungsbedürfnis anfeuert. Drei Jahre nach Fever Pitch veröffentlichte Nick Hornby High Fidelity - eine erst unglücklich, dann glücklich verlaufende Liebesgeschichte zu einer Anwältin namens Laura wird vom Lärm der Popmusik überdröhnt. Beide Erzählstränge kommen nur im kick and rush-Verfahren zusammen. Das Hin und Her zwischen Verlassenwerden, Singledasein, Herumhuren und Wiederzusammensein mit Laura hat wenig Originalität. Solche Geschichten wurden schon besser erzählt.

In High Fidelity geht Nick Hornby auf ironische Distanz zu seinem Alter ego.

Er macht sich über den spießbürgerlichen Ordnungswahn seines Helden in puncto Popgeschichte lustig. War der Schriftsteller in Fever Pitch noch eine Art Cheerleader seines literarischen Gegenstands, läßt er jetzt seine Hauptfigur den Hofnarren mimen. Ansonsten ist High Fidelity nach dem gleichen Muster gestrickt. An die Stelle von Tabellen treten Hitlisten, an den Platz von Verteidigern und Stürmern Gitarristen und Schlagzeuger. Wieder prallt einem ein atemberaubendes Name-dropping entgegen.

Ohne Fußball und Pop ist auch Nick Hornbys dritter Roman nicht denkbar.

Wieder geht es um die modernen Mythen des Alltags, wieder erzählt der nicht nur in Großbritannien inzwischen zum Kultautor avancierte Schriftsteller von einem Mittdreißiger in London, einem modernen Taugenichts, der nicht erwachsen werden will und nichts so haßt wie Familie, Kinder, Häuslichkeit, Monogamie und frühes Aufstehen.

Will Freeman heißt der Held. Seine CDund-Video-Kollektion ist imposant, er kennt alle Kneipen, Kinos und Kioske in seinem Vorort, verschlingt Hochglanzmagazine und ab und zu mal einen Thriller von James Ellroy. Will trägt wie Rob Fleming T-Shirts, Bluejeans und schwarze Lederjacken. Er braucht keiner geregelten Arbeit nachzugehen, denn sein Vater hat einmal einen Evergreen komponiert, der dem Sohn so viel Tantiemen einbringt, daß er kaum noch Geld verdienen muß. Dafür ist Will Freeman allerdings auch ein bißchen abgeschlaffter als seine Gesinnungsgenossen in Fever Pitch und High Fidelity