Der Aufsichtsrat der Dresdner Bank hat Wolfgang Röller zu seinem Ehrenvorsitzenden gewählt und damit dem Begriff Bankgeheimnis eine völlig neue Bedeutung gegeben: Wie das Gremium eine solche Entscheidung treffen konnte, bleibt sein Geheimnis. Denn der frühere Vorstandssprecher und Aufsichtsratschef steht noch immer unter Verdacht, auf größere Teile seines Privatvermögens Steuern hinterzogen zu haben. Außerdem laufen gegen ihn und andere Spitzenmanager der Bank weiterhin Ermittlungen wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch Kunden. Röller war deshalb vor einem Jahr als Aufsichtsratschef zurückgetreten. Kurz darauf mußten die beiden Vorstandsmitglieder Hans-Günther Adenauer und Hansgeorg Hofmann ebenfalls wegen persönlicher Steuervergehen die Dresdner verlassen. Röller behielt allerdings sein Büro in dem Geldhaus und spielte weiterhin die graue Eminenz. Schließlich nahm auch der damalige Vorstandssprecher Jürgen Sarrazin seinen Hut. Dessen Nachfolger Bernhard Walter sah darin die "Chance zu einem Neuanfang". Die hat der Aufsichtsrat jetzt offenbar genutzt, um die "herausragenden Verdienste" Röllers zu würdigen: Ehre, wem Ehre gebührt.