Cambridge

Teils aus echtem Interesse an demokratischer Beteiligung, vielleicht aufgrund eines ungeahnten Pflichtgefühls beantragt man als im Ausland lebender Deutscher über die alte Heimatgemeinde die Unterlagen zur Bundestagswahl.

Schöne Bescherung. Nein, nicht mal eben in die Wahlkabine gehuscht und zwei Kreuze auf dem Wahlschein markiert. Statt dessen nimmt jener lange Wahlschein über Wochen einen Ehrenplatz in der privaten Wahlkabine zu Hause ein und macht einem das Leben schwer.

Nun gut, zunächst amüsiert sich der Auslandswähler darüber, daß es die anarchische Pogo-Partei und andere bizarre Gruppierungen noch gibt. (Das intensive Studium des Wahlscheins ist ein echtes Privileg des Briefwählers.)

Gnädigerweise bleibt man im Ausland vom Wahlkampfterror verschont und kann sich für recht ausgewogen und qualifiziert informiert halten. Doch dann wird es ernst.

Besonders die Erststimme ist problematisch und wird quasi zur Kanzlerstimme, da die Kandidaten aus dem alten Heimatwahlkreis weitgehend unbekannt sind.

Die SPD-Kandidatin und der CDU-Vertreter sind beide Lehrer. Toll. Der FDP-Mann ist Marketingberater, der Grüne Zivi. Wähl doch einfach den Zivi, warst ja selbst mal einer. Nein, hier geht es nicht um Direktvertretung, sondern um den nächsten Kanzler: Jede andere als die Stimme für den herausfordernden Oberstudienrat der CDU ist eine Stimme für Schröder. Na prima.