Schwerin

Koffi wirft den Ball ins Spiel. Die Jungs dribbeln, sie drehen sich geschickt vom Gegner weg, manchmal zaubern sie auch. Wie Michael Jordan, der US-Star, ihr großes Vorbild beim Basketball. Die Tips, die Koffi gibt, versuchen sie umzusetzen. Er ist schwarz, genau wie Michael Jordan. Und Schwarze, das wissen die Jungs, verstehen etwas vom Basketball.

Ein- oder zweimal in der Woche trifft sich der 33jährige Koffi aus Togo mit den 15- bis 20jährigen in der kleinen Schweriner Schulsporthalle. Sie sind eine lose Truppe und gehören anderen Cliquen an - etwa 20 Jungen, die in der steinernen Feldstadt mitten in Schwerin aufgewachsen sind. Sie haben einen Ausbildungsplatz oder gehen noch zur Schule, sie lieben Basketball und verachten Punks und Linke. Das hat nicht viel mit Ideologie zu tun, vermutet Koffi, eher mit Gruppengefühl. Am Wochenende hat er einige von den Kurzgeschorenen mit NPD-Aufklebern gesehen. Rechte seien sie nicht, behaupten sie. Aber ins Rabennest, wo Koffi tagsüber arbeitet, würden sie nie gehen.

Dort treffen sich Punks. Deswegen kommt Koffi zu den Jungs. "Ich bin eben ein Rechter und ein Linker", sagt er grinsend, als sie nach dem Training noch ein bißchen auf dem Schulhof plaudern. Alex streicht ihm über das kurze Kraushaar: "Am besten, du trägst auf dieser Seite Glatze. Auf der anderen 'nen Zopf in Grün."

Harry trägt einen roten Zopf. Eigentlich ist es mehr eine flammende Strähne, die von der Stirn über die Nase fast bis auf Kinnhöhe fällt. Harry lebt den Punks. An Koffi und Vedaste, die mit ihrer schwarzen Hautfarbe mindestens genauso auffallen wie ein rotbezopfter Punker, mag Harry vor allem eins: "Die sind tolerant und machen mich nicht an, wie sonst Leute auf der Straße." Wer ins Rabennest kommt, ist zwölf bis neunzehn - und weiß nicht, wo er in seiner Freizeit sonst hinsollte. Die Jüngeren basteln mit den Betreuern aus Afrika oder dem Iran an ihren Fahrrädern. Die Älteren machen Musik, schwatzen oder kochen gemeinsam. "Oft stammen sie aus Familien, denen es sozial nicht besonders gut geht", erklärt die Leiterin Renate Voss.

Das Rabennest ist ihre Idee. Ursprünglich hatte sie etwas ganz anderes im Sinn. Anfang der neunziger Jahre, als Ausländer in Mecklenburg-Vorpommern zum Thema wurden, begann die Schweriner Grünen-Politikerin eine Außenstelle des bundesdeutschen Vereins Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen (RAA) aufzubauen. Bis heute beschäftigt sich die 60jährige Politikerin mit klassischen RAA-Aufgaben: Gemeinsam mit Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern arbeitet sie für Schulen und Kindergärten Projekte aus, die Vorurteile abbauen sollen.

Er war schneller in der rettenden Straßenbahn als seine Verfolger