Wortreich werden hierzulande drastische Maßnahmen gegen den Treibhauseffekt diskutiert. Forderungen wie fünf Mark pro Liter Benzin oder die Einschränkung von Urlaubsflügen erhitzen die Gemüter. In Japan dagegen bewahrt man kühlen Kopf. Denn dort hat die Regierung ein Zaubermittel zur Lösung der Klimaproblematik gefunden. Es hat einen Knoten und hängt am Hals der männlichen Regierungsangestellten: die Krawatte. Bisher war sie unverzichtbar, jetzt darf sie ab. Per Regierungsdekret wird die Kleiderordnung entschärft, und schon atmet das Klima auf. Der geniale Trick: Ohne Krawatte kann im heißen japanischen Sommer die Bürotemperatur auf 28 Grad steigen. Die Klimaanlage wird eine Stufe runtergedreht, das spart Strom und senkt den CO2-Ausstoß. Die Angestellten des Umweltministeriums gingen mit gutem Beispiel voran. Vorbildlich präsentieren sie ihre befreiten Hälse, um bei weniger umweltbewegten Kollegen, etwa im Handelsministerium Miti, Überzeugungsarbeit zu leisten. So einfach ist Klimaschutz made in Japan.

Helmut Kohl und Angela Merkel könnten neidisch werden. Schade nur, daß es bei uns weder heiße Sommer noch strenge Kleiderordnungen gibt.