Vor zehn Jahren tat sich ein Dutzend deutscher Zimmervermittler zusammen und gründete den Verband der Mitwohnzentralen. Inzwischen sind 43 Agenturen beigetreten, etwas mehr als die Hälfte der deutschen Zentralen. Die Verbandsvorsitzende Hanne Kottmann war eine der ersten, die Zimmer auf Zeit vermittelte. Wenn Ende der achtziger Jahre das Telefon in ihrem Münchner Büro klingelte, hatte sie vor allem Studenten am Apparat. "Die jungen Leute suchten billige Zimmer in Wohngemeinschaften, und das möglichst in Schwabing", sagt sie. Heute jedoch machen angehende Akademiker nur noch ein Sechstel der Kundschaft aus. Die Studierenden sparen sich inzwischen gerne die Provisionsgebühren von bis zu eineinhalb Monatsmieten, indem sie am Schwarzen Brett oder in Stadtmagazinen direkt nach Angeboten von Vermietern suchen.

Flexibilisierung und Internationalisierung der Arbeitswelt heißt die Tendenz der neunziger Jahre, die den Mitwohnzentralen nun neue Kunden bringt. Fast jeder dritte Auftrag kommt von Firmen, die Unterkünfte für ihre Mitarbeiter suchen. Malcolm Funnéll vom Telekommunikationsunternehmen Nortel Dasa organisiert für seine Gesellschaft die Zusammenarbeit mit den Mitwohnzentralen. Zur Zeit haben neun seiner Kollegen auf diese Weise eine Wohnung gefunden. "Zum einen wäre es für uns viel teurer, Zimmer in Hotels zu mieten", sagt Funnéll. "Außerdem fühlen sich die Mitarbeiter in einer Wohnung mehr daheim und müssen nicht jedesmal, wenn sie am Wochenende nach Hause fliegen, alle ihre Sachen packen."

Für die Mitwohnzentralen in den Großstädten werden aber auch die Touristen als Kundengruppe immer wichtiger. "Seit zwei Jahren haben wir einen richtigen Boom", sagt Hanne Kottmann. "Während des Oktoberfests zum Beispiel müssen wir zwischen 300 und 400 Leuten unterbringen." Deshalb ist sie dazu übergegangen, Vermieter zu suchen, die Kurzurlauber für zwei Nächte beherbergen.

Weiterhin liegt der Schwerpunkt der Agenturen jedoch darin, Wohnraum für eine Zeitspanne von einem Monat bis zu einem Jahr zu vermitteln. Nur noch bei 41 Prozent der Buchungen bezieht der Kunde ein Zimmer in der Wohnung des Vermieters. 55 Prozent der Kunden nehmen eine komplette Wohnung, vier Prozent gar ein Haus. Nicht nur aus diesem Grund gab sich der Verband vor zwei Jahren einen neuen Namen: Home Company. Das soll weltläufig klingen und ist auf die neue Klientel der beruflich Reisenden zugeschnitten. Der Name soll aber auch vom erweiterten Angebot der Zentralen künden. Denn die Geschäftsreisenden sind anspruchsvoller als die Studenten. Bei einigen Agenturen können die Kunden Wohnungen in einem Videofilm vorab in Augenschein nehmen, einen Abholdienst vom Flughafen ordern, sich ein Handy bereitlegen lassen und eine Reinigungskraft anfordern.

Langsam beginnt auch ein zweiter Geschäftszweig der Home Company zu sprießen.

"Wenn ein Kunde jahrelang sein Objekt über uns vermietet hat, möchte er es auch gern über uns verkaufen", sagt Klaus Schleif, zweiter Vorsitzender des Verbandes. In den vergangenen 12 Monaten konnten die dem Verband angeschlossenen Büros insgesamt 34 Wohnungen und Häuser verkaufen, in ganz Deutschland wachsen die Zimmervermittler nun in die Maklerrolle hinein.

Spielraum für ihre Geschäftsideen haben die Betreiber der Agenturen auch im Ausland entdeckt. "Wir denken über ein gemeinsames europäisches Marketing nach, für das unser Verband seine Struktur und sein Wissen zur Verfügung stellt", sagt Klaus Schleif. Außerdem soll durch einen Lizenzvertrag ein erster Ableger der Home Company außerhalb Deutschlands entstehen - auf Mallorca.