Spätestens am Freitag wird in der deutschen Wirtschaft nichts mehr so sein, wie es jahrzehntelang war. Die Aktionäre der Daimler-Benz AG und der Chrysler Corp. werden die Megafusion der beiden Konzerne absegnen - und damit endgültig eine Zeitenwende in der Deutschland AG einläuten. Ob der künftig drittgrößte Autobauer der Welt rasch Synergieeffekte in Milliardenhöhe vorweisen kann und tatsächlich Tausende neue Jobs schaffen wird, mag die beteiligten Anteilseigner und Arbeitnehmer in Atem halten. Für die Bundesrepublik geht es um weit mehr: Denn diese "erste Welt AG" (DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp)setzt neue Maßstäbe und wird hierzulande das Verhältnis von Aktionären und Management ebenso verändern wie das Kräftespiel zwischen Vorstand und Betriebsrat.

Noch steht in den Sternen, ob sich dieser hochbrisante Mix "aus deutschem Gesellschaftsrecht und amerikanischer Corporate Governance" (Börsen-Zeitung) in der Praxis bewährt. Klar ist dagegen: Auf dem Weg in die Weltliga werden andere hiesige Topadressen das Modell aus Stuttgart und Auburn Hills kopieren.

Wohin die Reise geht, läßt sich leicht erahnen: Shareholder Committee heißt das neue Machtzentrum des Konzerns - Mitbestimmung hin oder her. Nicht zufällig stellen Amerikaner auch 44 Prozent aller Aktionäre, weit mehr als die Deutschen. In einer Sache ist der clash of cultures schon programmiert: beim Gehalt für deutsche Spitzenmanager. Schrempps Counterpart Robert Eaton verdient mit insgesamt rund 20 Millionen Mark im Jahr mehr als der gesamte Daimler-Vorstand zusammen (ZEIT Nr. 37/1998). Schrempp (geschätztes Salär unter 3 Millionen Mark) will da nicht nachstehen und den Abstand deutlich verringern. Daß Daimler 1998 die Gewinnbeteiligung für 140 000 Mitarbeiter kräftig auf je 1700 Mark erhöht, wird da die selbstbewußten Facharbeiter im Schwabenland kaum beruhigen.

Während Politik und Gesellschaft um Kinkerlitzchen wie Lohnfortzahlung und 620-Mark-Jobs streiten, anstatt sich ehrlich den wahren Herausforderungen der Globalisierung zu stellen, schaffen Global Player hierzulande Fakten. Solange das so ist, wird das soziale Klima leiden. Daran sind aber nicht fixe Manager schuld, wie manche gerne suggerieren.