Klaus Hartung irrt: Der Holocaust war nicht "Maßlosigkeit des Mordens".

Er hatte Plan, Maß, System und Ziel. Er wählte als seine jüdischen Opfer, systematisch nach Orten, Greise, Erwachsene, Kinder und Säuglinge beider Geschlechter. Er sparte nützliche Sklaven für späteres Opfer. Er raubte, was immer verwendbar war, selbst von Leichen. Dies waren im Maß wohlbedachte, allmählich technisch gesteigerte, immer nennbare Maßnahmen, deren Auswirkung weit in die Geschichte der Bundesrepublik hineinreichte.

Maß und System des Holocaust erschüttern stärker, als Maßlosigkeit es vermag.

Sie verlangen von einem Mahnmal klare Absage, eindeutige Verurteilung. Dies erfordert Nennung maßgebender Täter, Zahlen, Orte und Verfahren, auch Bilder, Darstellungen und Hinweise. Eisenmans Entwurf und Hartungs Deutung gleichen einer Flucht aus geschichtlicher Wirklichkeit in eine symbolische Anonymität der Maßlosigkeit.

Gedenkstätten in Jerusalem, Paris, Washington, anderen ausländischen und deutschen Orten, auch die jetzt entstehende Gedenkhalle in London - sie alle beschwören geschichtliche Wirklichkeit. Nur ein Berlin mit Eisenmans Steinpfeilerwald wird, sichtbar für alle Zukunft, nicht den Holocaust, sondern die Gefühlsunsicherheit der jetzigen deutschen Generation widerspiegeln. Wäre es nicht besser, auf den Mut und die größere Gefühlsfreiheit und Aufrichtigkeit einer kommenden Generation zu vertrauen und ihr die Errichtung eines in geschichtlicher Wahrheit den anderen Denkstätten ebenbürtigen Mahnmals zu überlassen, sei es auch im Jahre 2045?

Max L. Meyer London

Paßt das zusammen? Während Bundesgelder in Millionenhöhe für ein gigantisches Denkmal der begangenen Völkermorde gezahlt werden sollen, werden gleichzeitig im Namen desselben deutschen Volkes von den Regierenden Flüchtlinge in existentielle Not und Ungewißheit zurückgeschickt: nach Bosnien, Kurdistan, Togo, Zaire. Dazu setzt Deutschland mit dem entstehenden Wirtschaftsmachtblock EU auf Abschottung. Wo sind da Sühne, Buße und Wiedergutmachung erkennbar?