Entweder tobt jetzt Hans-Olaf Henkel - oder er ist heimlich in sich gegangen. Kaum glaubte jedenfalls der streitbare Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), die Befürworter einer ökologischen Steuerreform mit seiner kleinen Broschüre Ökosteuern sind ein Irrweg endgültig als ahnungslose Weltverbesserer in die Schranken verwiesen zu haben, da wagen ausgerechnet Unternehmer und Wissenschaftler ihm zu widersprechen. Erst bekannten sich in der vergangenen Woche immerhin 169 Manager zu dem Vorhaben, mittels einer neuen Energiesteuer andere, schädlichere Abgaben zu senken und so gleichzeitig für mehr Umweltschutz und für weniger Arbeitslose zu sorgen. Nun wird zu allem Übel auch noch bekannt, daß das Umweltbundesamt das Gutachten zweier Forschungsinstitute unter Verschluß hält, in dem diese dem Reformvorhaben ihren wissenschaftlichen Segen erteilen. Unpäßlicher hätte es für Henkel kaum kommen können, der mit seinem missionarischen Eifer gegen die Reform nun wie Don Quijotte dasteht.

Dabei ist keineswegs überraschend, zu welchem Ergebnis das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gemeinsam mit dem Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstitut (FiFo) der Kölner Universität gekommen ist. Immerhin war es das DIW, das vor vier Jahren die erste Ökosteuer-Expertise im Auftrag von Greenpeace präsentierte. Und auch das FiFo bekundete längst seine grundsätzliche Sympathie für die Reformidee - pikanterweise im Auftrag von Henkels BDI.

Dessen Lamento, die Unternehmen würden vertrieben und der Umwelt sei keineswegs geholfen, strafen FiFo und DIW nun erneut Lügen: Wenn Heizöl jährlich um 2,5, Strom um 0,6 und Benzin um 14 Pfennig teurer wird, dafür die Sozialabgaben sinken und die Gewerbesteuer entfällt, würde nicht nur die Umwelt entlastet. Es könnten auch mehrere 100 000 neue Arbeitsplätze entstehen, heißt es in dem gemeinsamen Gutachten. Ihr Henkels, hört die Signale.