In jeder Kurve rumpelt es im Kofferraum. "Das müssen die Wurstdosen sein von meiner Oma", sagt Sascha. "Und ein paar Hanteln fliegen da auch noch herum." Der kleine Suzuki holpert über eine Bordsteinkante in eine Parklücke.

Sascha zieht eine Nylontasche vom Rücksitz. Der Inhalt erstaunt ebenso wie der des Kofferraums: eine Fotomappe, ein abgegriffener Stadtplan, Rasierzeug, ein Schuhputzschwamm und eine Kleiderbürste aus Plastik.

Daß der 22jährige keine Zeit hat, den Kofferraum auszumisten und sich zu Hause zu rasieren, liegt an seinem Job: Sascha ist Model. Allerdings noch am Anfang einer möglichen Karriere. Er befindet sich in einem Stadium dieses Berufs, in dem man sich die Sohlen schief läuft, um mal in einem kurzen Werbespot aus dem Hintergrund zu lächeln oder in einem Versandhauskatalog eine Bundfaltenhose zu tragen.

Jeden Tag fährt Sascha quer durch Hamburg, bewirbt sich hier für Modeaufnahmen, dort für eine Limonadenwerbung, zwischendurch muß er in die Agentur, dann ins Fitneßstudio, zum Friseur ... Ein Stadtplan hat bei ihm eine Lebensdauer von etwa drei Wochen. Dann ist er so zerfleddert, daß er einen neuen braucht.

Ein deutscher Brad Pitt, schiffbrüchig und melancholisch

Mit den Bartstoppeln und den streichholzlangen Haaren, die kreuz und quer stehen wie Getreidehalme nach einem Regenschauer, könnte man Sascha auch für einen Fahrradkurier halten, der nur einen Umschlag abzugeben hat. Auf den zweiten Blick aber ahnt man seine wahre Mission. Der Mund ist schön geschwungen, die Stirn flieht nirgendwo hin, und der Körper ist auch nicht von schlechten Eltern. Vor allem jedoch die Augen: Die leuchten blau wie der Grund eines Kinderschwimmbassins.

Bei Joop blättert ein Designer in Saschas Fotomappe: "Ich werde einen Head-Shot von dir machen." Sascha legt seine Jacke über einen der Freischwinger, stellt sich vor einer weißen Wand in Positur und knipst ein Lächeln an. Zwei, drei Polaroids schieben sich aus der Kamera des Designers.