Schöne, neue Welt: Schon bald soll ein Roboter die Gäste eines Karlsruher Hotels bedienen. Der stählerne Butler schleppt die Koffer aufs Zimmer und serviert das Essen. So jedenfalls war es im Spiegel zu lesen, der auch gleich den Erfinder des putzigen Maschinenmanns zu Wort kommen läßt: "In Anlehnung an englische Diener haben wir ihn Mortimer getauft. Er wird für die Hotelgäste einen hohen Unterhaltungswert haben."

Unterhaltungswert? Vermutlich wird man den Stahldiener mit einer Pappnase versehen und ihn Sätze wie "Hasch mich, ich bin dein Roboter" krächzen lassen

vielleicht wirft er auch Konfetti.

Doch die wirklichen Möglichkeiten dieser technischen Innovation werden mit einer derart würdelosen Vorstellung nicht einmal im entferntesten ausgeschöpft. Dabei bietet das Prinzip "Mortimer", konsequent angewandt, gerade dem Hotelwesen Vorteile ohne Ende.

Der Gast kann sich auf einen völlig neuen Service einstellen: Mortimer und seine Geschwister sind nie mürrisch, immer diskret und - entsprechende Programmierung vorausgesetzt - auch Sonderwünschen gegenüber aufgeschlossen.

Abends in der Hotelbar hören sie den Litaneien der Gäste mit einer Geduld zu, die kein menschlicher Angestellter aufbrächte. Ein weiterer Vorteil: Am nächsten Morgen sind die Geständnisse garantiert vergessen. Beim Abschied schließlich läßt der Gast als Trinkgeld verstohlen ein paar Mignonzellen in die Eisenhand gleiten: "Aber nicht alles auf einmal aufbrauchen, ja?"

Auch der Hotelier kann sich zu seinen neuen Mitarbeitern beglückwünschen, die in keiner Gewerkschaft organisiert sind und keine Lohnerhöhungen fordern, solange sie nur ordentlich gewartet werden. Wo eine Kanne Schmieröl einen ganzen Jahresurlaub ersetzt, sind selbst Anschaffungskosten von immerhin fünfzigtausend Mark schnell amortisiert. Und steigen anderswo die Sozialabgaben, reibt sich der Hotelier die Hände und spendiert Mortimer eine neue Livree.