Der Kanzler der Einheit kam, strahlte und malte: blühende Landschaften.

Und der Osten wurde schwarz. Das war 1990. Helmut Kohl kam wieder, vier Jahre danach, mußte sich zwar erste Schmährufe anhören - doch der Osten blieb schwarz. Und heute? Entscheiden zwölf Millionen Wahlberechtigte zwischen Elbe und Oder zum dritten Mal über den Ausgang einer Bundestagswahl? Wird der Osten und mit ihm die ganze Republik diesmal rot, weil die SPD und womöglich gar die PDS in fünf Bundesländern alle anderen überflügeln? Und wird das Land zwischen Rügen und Fichtelberg gar braun an seinen Rändern, wenn dort DVU, NPD und Republikaner Ernte halten?

Rot-Grün oder Rot-Schwarz, auch darüber wird im Osten entschieden. Denn wer eine große Koalition herbeiwünscht, wird sie nicht wählen können - es sei denn, er votiert in einem Anflug von Machiavellismus für die PDS. Je mehr kleine Parteien im künftigen Bundestag sitzen, desto größer der Koalitionsdruck auf die beiden Volksparteien. Nimmt die PDS die Fünfprozenthürde nicht, muß sie sich wie schon 1994 mindestens drei Direktmandate erlaufen, um in den neuen Bundestag einzuziehen.

Und wie ist die Stimmung im Land, bei denen da unten, bei jenen dort oben? Die ZEIT schickte vier Reporter los. Mecklenburg-Vorpommern galt dabei ein besonderes Interesse, dort wird auch ein neuer Landtag gewählt.