Der Bus kommt!" Die alte Frau in der Windjacke hat ihn als erste erspäht.

Zusammen mit rund 50 Schaulustigen steht sie auf dem Vorplatz des Gemeindehauses in Langballig, einem Dorf in der Nähe von Flensburg.

Langballig hat sich als einer von 41 Orten für die Endrunde im Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" qualifiziert. Zwei Jahre dauerte das Marathon durch die Vorrunden. Heute aber spielen Kreis- und Landesentscheide, an denen mehr als 5500 deutsche Dörfer teilnahmen, keine Rolle mehr. Heute bringt der Reisebus die Bundesjury unter Vorsitz einer Adligen ins Dorf: Sonja Gräfin Bernadotte, Präsidentin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft, hat ihre Bodenseeinsel Mainau verlassen, um die deutsche Provinz zu benoten. Die Gartenbau-Gesellschaft organisiert den Wettbewerb, der vom Bundeslandwirtschaftsministerium finanziert wird.

Begleitet wird die Gräfin von sieben Preisrichtern. Sie entscheiden am 18.

September darüber, welche Dörfer goldene Plaketten erhalten. Der Rest muß mit Silber oder Bronze zufrieden sein, leer geht niemand aus.

Empfangen wird die Jury mit ehrfürchtigem Applaus, einem Ständchen der Jagdbläser und Hundegekläffe aus den Gärten. Dann folgt ein rasanter Rundgang: Freiwillige Feuerwehr, neue Altenwohnanlage, Biomasse-Heizwerk. Nur drei Stunden bleiben jedem Dorf, um zu beweisen, daß es das schönste im ganzen Land ist.

Langballig hat alles, was so ein Siegertyp vom Lande haben muß. In einer strukturschwachen Gegend gelegen, strahlen die Häuser und Gärten des Ortes satte Zufriedenheit aus. Die Ostsee ist in Riechweite, die Siedlung am Meer und der Yachthafen gehören mit zur Gemeinde und lassen sich deshalb auf dem Rundgang herzeigen. Nach dem Niedergang der Landwirtschaft ist der Fremdenverkehr zur wichtigsten Einkommensquelle des Ortes geworden. 140 Vermieter kämpfen in der Gemeinde um Touristen. Stolz berichtet die zweite Bürgermeisterin von 80 000 Übernachtungen während des vergangenen Jahres und prophezeit auch für 1998 gute Zahlen. Die Jurymitglieder müssen's glauben, haben sie doch keine Zeit, mal im Hotel am Hafen nachzufragen, wo heftig über den Gästemangel geklagt wird. Fix noch ins idyllische Unewatt, ein zur Gemeinde gehörendes Dorf mit Wirtshaus, Meierei und Windmühle, das nach seiner Restaurierung zum wunderhübschen, bewohnten Museumsdorf geworden ist.