Die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern sind eher bedächtige, maulfaule Zeitgenossen - ganz anders als ihr Minister, der CDU-Mann Martin Brick. Der will beim Landesbauerntag in Mühlengeez bei Güstrow seinen Leuten unbedingt zeigen, "was es heißt, einen Hintern in der Hose zu haben". Schließlich wird in dem nördlichen Bundesland am 27. September nicht nur der Bundestag, sondern auch der Landtag neu gewählt. Und der gelernte Tierarzt Brick würde gern im Amt bleiben. So poltert und wettert er mit Hingabe - natürlich gegen Brüssel. Die Agenda 2000 kommt ihm da gerade recht.

Was die Bauern von dieser europäischen Agrarvision fürs nächste Jahrhundert halten, verraten die Plakate im Festzelt: "Was der Eisberg für die Titanic, ist die Agenda für die Bauern". Oder: "Agenda 2000. Bitte kein ABM-Projekt für Bürokraten und Beamte". Den Blickfang hat der Deutsche Bauernverband (DBV) beigesteuert: das Bild von einem Rindvieh mit Riesenbrille, das offensichtlich zu der Erkenntnis kommt: "Außer Bürokratie nichts zu sehen".

Auch Festredner Brick bleibt im Bild: "Wäre die Agenda eine Kuh, müßte sie sofort geschlachtet werden."

Mit ihrer Agenda 2000 will die EU-Kommission den kostspieligen Agrarmarkt gründlich reformieren. Den Europäern bleibt gar nichts anderes übrig: Ohne grundlegende Reform treibt die Erweiterung der Union nach Osten die Agrarausgaben ins Unerschwingliche. Zudem muß Europas Landwirtschaft ihre Preise dem Niveau des Weltmarktes anpassen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit dem bisher praktizierten System der Preisstützung riskieren die Europäer auch schwere Handelskonflikte mit den USA.

Mancher Bauer fürchtet jedoch, daß er nicht mithalten kann und "das Gesangbuch zuklappen muß". Denn was die Eurokraten vorschlagen, geht an die Substanz. Vom Jahr 2000 an sollen die garantierten Stützpreise für Milch um 10 Prozent fallen, für Getreide um 20, für Rindfleisch gar um 30 Prozent.

Statt dessen will Brüssel Direktzahlungen leisten, die an Umweltauflagen gebunden sind. Unterm Strich bleibt allerdings in aller Regel ein Minus.