Kinnigkeit, Kaludrigkeit, Befindlichkeit - schöne alte baltische Namen, der letzte ausgenommen. Der war 1561 bei Josua Maaler in "Die teütsch spraach" verzeichnet, dann nicht mehr, dem Grimmschen Wörterbuch zufolge - bis Heidegger ihn ausgrub und mit den höheren Weihen versah: "Die Geworfenheit in den Tod enthüllt sich in der Befindlichkeit der Angst." Der Große Duden definiert die Befindlichkeit als "seelischen Zustand, in dem sich jemand befindet". Sonst nichts? Also Befinden, Stimmung, Laune, Seelenlage, Gemütsverfassung? Zu schlicht! "Postsozialistische Befindlichkeiten", das macht was her (auf Seite 49 der vorigen ZEIT) frühere Ausgaben brillierten mit objektiven, unangenehmen, grünen, ja georgischen Befindlichkeiten. Auch Befindlichkeitsclips hat die ZEIT entdeckt, in einem Theaterstück, und Betriebsräte mit den "Befindlichkeiten ihrer Kollegen" konfrontiert - wie man so spricht am Arbeitsplatz. Am Mißbefindlichkeitspegel (einer dankenswerten Prägung Hermann Lübbes) steigt unterdessen die Gemütsverdüsterung.