Der Wahlkampf machte lange einen lustlosen Eindruck. Am vergangenen Donnerstag jedoch brachte der schwedische Premierminister Goran Persson unfreiwillig Leben in die Debatte. Nach einem Fernsehinterview bestürmten empörte Zuschauer telefonisch das Hauptquartier seiner sozialdemokratischen Partei. Premier Persson war gefragt worden, ob es denn gerecht sei, was die Regierung vorhabe: nämlich Millionen von Kronen auszugeben, um die Gebühren für Kindergartenplätze zu senken. Schließlich gebe es etwa 164 000 Kinder in Schweden, die nicht in den Kindergarten gingen, und deren Eltern würden nicht finanziell entlastet. Persson gab daraufhin zu bedenken, daß Eltern, die ihre Kinder in den Kindergarten schicken, arbeiteten, Steuern zahlten und "die Gesellschaft weiterentwickelten". Er sagte es nicht, aber viele verstanden es so: Frauen, die zu Hause bleiben und ihre Kinder selbst betreuen, entwickeln die Gesellschaft nicht weiter.

Ein Schnitzer, mehr nicht: Der nächste Premier wird höchstwahrscheinlich wieder Goran Persson heißen. Die Sozialdemokraten sackten zwar in den jüngsten Umfragen von 45 auf 38 Prozent ab. Doch die postkommunistische Linkspartei legte von 6 auf 11 Prozent zu, und auch die Grünen werden wieder in den Reichstag kommen. Zusammen ergibt das eine solide rotgrüne Mehrheit.

So kann sich eine sozialdemokratische Minderheitsregierung auch weiterhin je nach Thema ihre Mehrheit bei der Linken oder der bürgerlichen Mitte suchen.

In der jetzigen Legislaturperiode arbeiteten die Sozialdemokraten vor allem mit der bürgerlichen Center-Partei zusammen.

Zwar sehen viele Schweden ihre Regierung kritisch. Aber anders als Ende der achtziger Jahre kommt diese Unzufriedenheit nicht mehr der bürgerlichen Opposition zugute. Im Gegenteil: Viele Schweden bemängeln, daß die Regierung nicht sozialdemokratisch genug sei. Diese Stimmung konnte die Linkspartei auffangen, die recht unbekümmert eine Forderung nach der anderen aufstellte, ohne sich allzusehr um die Finanzierung zu kümmern. Andererseits sind gerade die soliden Staatsfinanzen ein Pluspunkt der Sozialdemokraten - und ein zentraler Grund für das Phänomen, daß sie seit 66 Jahren beinahe ununterbrochen die Regierung stellen.

Als die Sozialdemokraten, nach einem dreijährigen bürgerlichen Intermezzo und der schwersten Rezession der Nachkriegszeit, 1994 wieder an die Macht kamen, verzeichneten die öffentlichen Haushalte ein Defizit von 10,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Jetzt ist der Haushalt wieder ausgeglichen, und für die nächsten Jahre avisiert Finanzminister Erik Asbrink einen jährlichen Überschuß von 2 Prozent des BIP. Kein anderes Land der Welt kann eine derartig rasche Haushaltskonsolidierung vorweisen.

Für Schweden ist das die Rückkehr zum Normalzustand. Oder, wie es Jens Henriksson, Experte im Stockholmer Finanzministerium, formulierte: "Wir haben in diesem Jahrhundert nur viermal Defizite verbuchen müssen: nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der ersten bürgerlichen Regierung 1976 bis 1982 und nach der zweiten bürgerlichen Regierung 1991 bis 1994."