Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch das der Siegel und Prüfzeichen. DER BLAUE ENGEL, das Woll- und das Teppichsiegel oder auch das CMA-Siegel für Gütefleisch beschützen und behüten uns vor Mißgriffen. Ein Gütesiegel für die Weiterbildung rettet vor Bildungslücken, selbst ein Suppen-Erlebniskauf-Gütesiegel gibt es. Nun soll das deutsche Siegel-Angebot erweitert werden: Um das Vertrauen in starke deutsche Verschlüsselungs-Software zu stärken, forderte Wirtschaftsminister Rexrodt vergangene Woche in Berlin den Krypto-TÜV . Dieser soll Software bewerten, mit der sich Computerdateien verschlüsseln lassen.

Wie beim Rindvieh kann der Verbraucher bei Software nicht erkennen, ob innen drin alles mit rechten Dingen zugeht. Beim Kauen sind die Anabolika nicht zu schmecken, beim Verschlüsseln ist das Hintertürchen nicht sichtbar, durch das sich Geheimdienste Zutritt zu den Dateien verschaffen (ZEIT Nr. 39/98). Ein Siegel, das klipp und klar aufführt, daß ein Produkt eine Decodierung mit einem Generalschlüssel oder einem hinterlegten Schlüssel zuläßt, ist daher sinnvoll. Es könnte die Verbraucher dazu erziehen, deutsche Kryptografie-Software mit starken Chiffrierschlüsseln einzusetzen statt der schwächeren US-Produkte.

Rexrodts Vorschlag ist dennoch bedenkenswert, vor allem, wenn er noch ein wenig erweitert wird. Etwa um ein Gütesiegel, das überprüfbar macht, wie gesammelte personenbezogene Daten von Behörden und Firmen benutzt werden. So ergäbe sich ein richtiger Informations-TÜV mit plakativen Stickerln, die dafür sorgen, daß im Netz von Stund an die Sicherheit ganz groß geschrieben wird - wie es auch in Berlin hieß. Wir wissen ja: Vertrauen ist, wenn man eine Suppe nicht auslöffeln muß.