Gegen 17.45 Uhr verebbt das geschäftige Stimmengewirr im ARD-Wahlstudio. Die Berichterstattung von den bayerischen Landtagswahlen am 13. September beginnt mit bunten Grafiken von Meinungsumfragen. Aber die Schaulustigen, die sich vor der Absperrung im bayerischen Landtag drängen, warten auf andere Zahlen: die Prognosen und Hochrechnungen, die Schlag 18 Uhr auf den Bildschirmen präsentiert werden sollen.

In diesen letzten Minuten steigt bei den Wahlforschern von Infratest Dimap das Lampenfieber. Das Herz schlage in diesem Moment bis zum Hals, erzählt Stephan Struck, einer der Programmierer des Wahlsystems.

Die Fernsehleute drängeln: "Habt ihr schon was?"

Nachdem der Moderator Ulrich Deppendorf die Prognose verlesen hat, beginnt das nervenzehrende Warten. Wo bleibt die Hochrechnung? Und: Wird sie die Prognose bestätigen?

Ab sechs wird in den Wahllokalen öffentlich ausgezählt. Korrespondenten vor Ort notieren die Ergebnisse und übermitteln sie an das Telefonstudio, wo sie eingegeben und an den Zentralrechner weitergeleitet werden. Auf diese Vorgänge haben die Wahlforscher im Studio keinen Einfluß, sie müssen sich auf die Feldarbeit vor Ort verlassen.

Erst der Einlauf eines Ergebnisses wird im Studio sichtbar. Ein Programm zeigt den Datenbestand an, ein anderes aggregiert die Daten von Stimmbezirken, die gleiche Merkmale erfüllen, und ein drittes schickt die Zahlen an die angeschlossenen Studios weiter. Das automatisierte Hochrechnungsprogramm schließlich bezieht das Ergebnis sofort in eine Vielzahl von Rechenmodellen ein. Im Fall der Bayernwahl wurden 44 dieser Modelle verwendet.

Welches Hochrechnungsmodell zu welchem Zeitpunkt das wahrscheinlichste Ergebnis liefert, darüber zerbrechen sich Knut Holzscheck und sein Kollege Michael Kunert die Köpfe. Das Problem: Zwar ist die Stichprobe der Wahllokale repräsentativ ausgewählt worden. Die Hochrechnung ist aber eigentlich erst dann verläßlich, wenn alle Korrespondenten ihre Zahlen übermittelt haben. Vorher lauert immer die Gefahr der Verzerrung; so treffen erfahrungsgemäß die Zahlen aus den kleineren Stimmbezirken in ländlichen Gebieten schneller ein als die aus den größeren städtischen.