ZEITmagazin: Frau Kohl, dieses Interview könnte eines Ihrer letzten sein. Macht Sie das traurig?

Hannelore Kohl: Einstweilen lebe ich noch. Wollen Sie dieses Gespräch gleich mit einem As aufschlagen, um gegen mich zu punkten?

Kohl: Natürlich wäre es eine Veränderung meiner Lebensführung, wenn mein Mann nicht mehr Bundeskanzler wäre, aber ich bin sicher, daß dies nicht eintreten wird. Mein Mann ist ein politischer Langstreckenläufer. Gewonnen wird erst auf der Zielgeraden.

ZM: Sie sind 65 Jahre alt, der Kanzler 68. Da läge es nicht fern, ans Aufhören zu denken.

Kohl: Ich tue das nicht. Mein Mann hat geschichtsträchtige Entwicklungen angestoßen und durchgesetzt. Ich denke nur an die Wiedervereinigung. Am Zusammenwachsen Europas hat er großen Anteil, und auch in der Innenpolitik tragen seine Anstrengungen Früchte. Er ist international so anerkannt wie nie zuvor. Lebensjahre können auch ein Plus sein, wenn man sich guter Gesundheit erfreut.

ZM: Auch Sie haben in den letzten 16 Jahren einiges bewegt. Das von Ihnen gegründete Kuratorium ZNS und die Hannelore-Kohl-Stiftung fördern die Rehabilitation von Hirnverletzten. Sie haben zwei Kochbücher veröffentlicht, und ein Teil des neuen Tunnels unter dem Berli- ner Tiergarten ist nach Ihnen benannt. Womit möchten Sie im Gedächtnis bleiben?

Kohl: Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Es würde mir genügen, wenn mich meine Freunde in guter Erinnerung behielten. Die Stiftung und das Kuratorium sind mir sehr wichtig, die Kochbücher Mittel zum guten Zweck. Sie dienen vor allem dazu, durch den Benefizanteil im Kaufpreis Spenden zu sammeln.