Die mobile "Space-Bar" gilt als Treffpunkt bei Open-air-Festivals in Berlin. Hier trifft man sanfte Hippies, die alkoholfreie Cocktails anbieten, die Moonwalk oder Bella Muira heißen und die nach der Getränkekarte "Proviant für Planeten ohne Schwerkraft" oder einen "Hauch amazonischer Sexualmagie" enthalten. Wer den Lao-Tse Think Drink bestellt, erhält eine Mixtur aus Fruchtsaft, Ginkgo, Ginseng, Guarana und Kolanuß.

Die Techno-Szene erinnert sich der Kräuterkunde. Guarana, der sanfte Wachmacher, der mittlerweile in jedem Drogeriemarkt erhältlich ist, war nur der Anfang. Neuerdings werden auch bewußtseinserweiternde und halluzinogene Pflanzenauszüge entdeckt. Kawa Kawa, eine Wurzel, die wegen ihrer euphorisierenden Wirkung traditionell im Südseeraum gekaut wird, die in Asien verbreitete Betelnuß oder Passionsblume - sie stehen nun in den Kiffer- und Kräuterläden.

Die eher subtile Wirkung von Tees und Trünken erscheint vielen Konsumenten jedoch zu lasch. "Chemo-User sind in der Regel schlecht informiert", sagt Rüdiger Schwarz von Yellow Sunshine, einem Kräuterladen in Berlin-Kreuzberg. "Manche von denen würden Dynamit fressen, wenn man ihnen erzählt, daß es knallt."

Auch Stechapfel, Bilsenkraut und Tollkirsche befinden sich mancherorts im Regal. Diese alten Hexenkräuter werden meist "zu Anschauungszwecken" abgegeben. Wer im Internet die entsprechenden Seiten aufruft oder die richtigen Bücher aufschlägt, findet auch Gebrauchsanweisungen für diese - unter Umständen lebensgefährlichen - Gifte.

Allerdings bedeutet auch die Beschränkung auf vermeintlich sanfte Substanzen keine Garantie dafür, daß nicht irgendwann die Staatsanwaltschaft vor der Tür steht. Bei Yellow Sunshine wurde im Juni fast das gesamte Sortiment beschlagnahmt: hauptsächlich harmlose Produkte aus Ginseng, Guarana oder Kolanüssen. Begründung: Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Um die gesetzlichen Hürden zu umgehen, verstecken sich viele Anbieter hinter einer blumigen Sprache. Kräuter- und Pflanzenauszüge werden als "Herbal Ecstasy" für die "never ending Party Nacht" angeboten oder zur "Erforschung der inneren Räume". Falls "die Schmetterlinge im Bauch faul in der Ecke rumhängen", empfiehlt der Hamburger Catch-a-dream-Versand die Cyberotica-Pille (zwei Portionen zu 33 Mark). Gelobt sei, was breit macht.

Im Elixier, Berlin-Prenzlauer Berg, drängeln sich weder bauchnabelgepiercte Girlies noch ziegenbärtige Jungmänner. Die Kunden kommen, um Tees und Trünke wie Aphrodite's Cup oder Lunatonic zu kaufen. Das Eigentümerkollektiv von Elixier möchte "den Wunsch, körperliche und seelische Zustände zu beeinflussen, gesellschaftlich akzeptiert positionieren". Die Mixturen hätten "den legalen Status wie ein Jägermeister".