Ein Klischee vom Deutschen besagt, daß er sich, seinen Wohnzimmerschmuck betreffend, entscheide zwischen dem feist schmunzelnden Mönch mit Weinkrug und dem röhrenden Hirsch auf der Lichtung. Aber auch inhaltlich brächte ein Fernsehduell zwischen Kohl und Schröder vermutlich wenig Neues. "Da sitzen ein oder zwei Journalisten dazwischen und stehlen uns nur die Zeit", fädelt Helmut Kohl auf der Spur von Vorgänger Schmidt ein. Kohl perfektionierte in seiner Amtszeit die Geringschätzung der Journaille, gerierte sich zunehmend als Ein-Mann-Kreml und dankt diesem Schweigemarsch durch die Instanzen vermutlich einen guten Teil seines Erfolges.

"Herr Bundeskanzler, Sie haben damals anders als heute...": Dieser Frageansatz wäre bei Kohl eine vielfache Unmöglichkeit. Erstens hat er schon damals nichts gesagt, zweitens sagte er später auch nichts, und drittens "ist dies gar nicht die Frage". Auch "Das stimmt doch gar nicht", "Was wollen Sie denn?" und "Lassen Sie mich zunächst einmal" sind Wendungen, die im Hinterkopf das lispelnde Brummen der Kohlschen Intonation wachrufen.

Lafontaine ist auch verletzt. Viel mehr Darling der Medien als Kohl, wurde er als mutiger Tabubrecher in der Tarifpolitik, als aufmüpfiger Neuerer vor Bonzenthronen gelobt, genauer: eingemeindet. Ebenjene Medien schrieben ihn runter, nachdem sie ihn auf ausreichende Fallhöhe hochgeschrieben hatten. Plötzlich sah er sich als Sonnenkönig von der Saar verspottet, und wie zum Beweis dessen setzte er seine persönliche Befindlichkeit als die des Staates und goß sich ein privates Pressegesetz. Vor den Kameras zählt seither Kopfschütteln, Herablassung, Besserwissen zu seinem Repertoire. Das gilt den Journalisten, es sieht aber nun mal auf dem Monitor so aus, als möge er das Publikum nicht.

Bleibt Schröder. Kein genuiner Fernsehpolitiker; in Bellheim und Gute Zeiten, schlechte Zeiten kam er, weil er Ministerpräsident ist, nicht weil er etwa so aussähe. Sein Fernsehduell im Landtagswahlkampf gegen Christian Wulff war ein laues Nullzunull. Schröder als Oppositionsführer in Brokdorf gegen Atomkraft, Schröder mit Koteletten bis zum Kinn als Juso gegen Kapitalismus: Das alles lauert im Archiv, er ist der erste komplettverfilmte Kandidat. Des jungen Kohls Schlachtrufe, endlich die Jugend - sprich: ihn - ranzulassen, hat dagegen zu dessen Glück niemand gedreht damals. Schlägt Schröder Kohl bei der Wahl, kommt gleich ein schwierigeres TV-Duell: Schröder gegen Schröder.