"Ich habe", sagt der Hausfreund stolz und stellt die Papiertüte mit den stabilen Henkeln vorsichtig neben den Küchentisch, "für morgen abend Omikze Khunan zum Essen einge-laden!" - "Und wozu dann der Wein?" fragt die Wohnungseigentümerin und deutet auf die Tüte, aus der die Hälse der Weinflaschen ragen. "Soviel ich weiß, trinken Eskimos nur Schnaps."

"Erstens weiß ich nicht, ob er wirklich Eskimo ist, zweitens lebt er schon seit über zehn Jahren in Eu-ropa. Und drittens würdest du ein Abendessen ohne Wein nicht überleben. Das ist mir klar. Er stellt auf der Buchmesse sein neuestes Buch vor, und ich bin sicher, daß sich dieser große Autor in deinen vier Wänden wohler fühlt als auf dem Ledersofa seines Verlegers. Deshalb habe ich gedacht, ein Abendessen bei dir - er bringt seine zwei Frauen und seinen Agenten mit - wird ihn später einmal intensiver an seinen Aufenthalt in Frankfurt erinnern als der Galaempfang im Frankfurter Hof."

"Keinen Seehund, natürlich. Das kennt er von zu Hause."

"Ich denke, er lebt in Paris?" -

"Dann also auch keine Froschschenkel. Hingegen wäre dein Risotto mit Pilzen ..." - "Er heißt doch nicht Umberto Eco!" - "Du hast recht. Also Lammcurry, oder was immer dir einfällt." - "Wovon handelt denn sein neuester Roman?" - "Egal, Curry kommt immer an."

Die Buchmesse kann Intellektuelle also auch vor kulinarische Probleme stellen. Ob man wirklich für einen exotischen Gast, dessen genaue Herkunft man so wenig kennt wie den Inhalt seiner Bücher, mutig in die Curry & Chutney-Kiste greifen soll, ist eine Frage der Risikobereitschaft. Immerhin bietet die asiatische Küche herrliche Gelegenheiten, die Phantasie spielen zu lassen. Da sich nicht voraussagen läßt, was den Gast mehr entsetzt - der klägliche Versuch, seine Heimatküche zu imitieren oder die deutsche Origi- nalküche mit Frankfurter Nummernschild -, ist so etwas wie ein dritter Weg ratsam. Also

Avocadosalat