Auch ich bewarb mich nach Abitur und nachfolgender Ratlosigkeit beim Leibniz-Kolleg in Tübingen - und wurde abgelehnt. Zum Glück: Denn kurze Zeit später wurde ich von der ZVS zum hilfsweise aufgenommenen Jurastudium in den Osten unserer Republik befördert. Dort gibt es keine Vorlesungen, in denen man zusammen mit 350 Kommilitonen erstickt, sondern Professoren, die ihren Lehrauftrag noch ernst nehmen, kleine Arbeitsgemeinschaften und Examensrepetitorien, für die andernorts viele Studenten viel Geld ausgeben.

Dort konnte ich auch neben meinem Hauptstudium Vorlesungen in Physik, Medizin, Geologie und Philosophie belegen - und werde trotzdem mein Studium nach dem neunten Semester beenden. Um auf diese Art und Weise festzustellen, daß Jura tatsächlich "mein Ding" ist, mußte ich weder 4000 Mark bezahlen noch mich einem diktatorischen System (das tatsächlich den Anspruch hat, Selbständigkeit vermitteln zu wollen!) aussetzen und durfte währenddessen sogar ein paar Bilder an die Wand hängen! Fazit: Fehler des Bildungssystems dürfen nicht durch teure Hilfseinrichtungen - die Bildung letztlich zum Statussymbol machen - umgangen, sondern müssen im Ansatz vermieden werden.

Jan Strobel, Greifswald

Es ist bedauerlich, daß der Artikel durch eine tendenziöse Darstellung von Nebensächlichkeiten das Kolleg in ein Zwielicht zieht, das diese einmalige Institution nicht verdient hat. Erweckt die Bemerkung über das Anbringen von Fotos und Zeitungsartikeln an den Wänden den Eindruck, als werde Zensur ausgeübt, so wird dabei unterschlagen, daß diese Maßnahme schlichter Ausdruck der finanziellen Misere des - nicht staatlich subventionierten - Kollegs ist: Es fehlt das Geld zum dauernden Neutapezieren. Und erweckt die Aussage, die Zimmergenossen im Doppelzimmer könnten nicht ausgewählt werden, den Eindruck, man lebe in einer Zwangsgemeinschaft, so wird unterschlagen, daß die - von den Kollegiaten - eingesetzte Zimmerkommission ab dem zweiten Trimester genau solche Wünsche für Zimmerpartner entgegennimmt und hauptsächlich dazu dient, Wünschen nach einzelnen - etwa unterschiedlich großen - Räumen gerecht zu werden.

Christian B. Fulda Leibniz-Kollegiat 1991/92, Berlin