Die Sitze an den Notausgängen gehören bei engbestuhlten Ferienflugzeugen zu den beliebtesten Plätzen. Bislang ist es Glücksache, ob man durch Reservierung oder frühes Erscheinen eine Bordkarte für eine der begehrten Reihen mit mehr Fußraum ergattern konnte. Doch das Zittern hat zumindest in Großbritannien ein Ende: Wer bereit ist, je nach Länge des Fluges zwischen 90 und 120 Mark mehr auf den Tisch des Reisebüros zu legen, kann jetzt seinen Sitz am Exit beim Kauf der Reise gleich mitbuchen. Das ist das neueste Angebot des englischen Charterriesen Britannia Airways für seine Kunden im Heimatland.

Die Resonanz der sonst in karge 76 Zentimeter Sitzabstand gepferchten britischen Urlauber (Condor oder LTU bietet rund 82 Zentimeter) auf dem Weg ans Mittelmeer oder in die Karibik war so überwältigend, daß Britannia daraus gleich ein neues Produkt ableitet: Vom Sommer 1999 an wird die vorher klassenlose, weltgrößte Chartergesellschaft (jährlich fast acht Millionen Passagiere) auf Fernflügen ab Großbritannien gleich drei verschiedene Klassen anbieten.

Innovative Ergänzungen des Produkts je nach Marktentwicklung - für die Engländer auf ihrem Heimatmarkt kein Problem. Trotz neuer Komfortangebote bleiben sie weiter vor allem eins - billig. Die etablierten deutschen Feriencarrier dagegen haben bei ihrem Fernstreckenangebot bisher nicht auf neue Herausforderer und veränderte Nachfrage reagiert, sondern machen weiter wie eh und je - die Tickets sind teurer, dafür wird mehr geboten als auf dem britischen Markt.

Unterdessen werden hierzulande dem knapp ein Jahr alten deutschen Britannia-Ableger seine gegenüber der Konkurrenz um rund dreißig Prozent billigeren Tickets geradezu aus der Hand gerissen. Im Verbund mit dem Münchner Veranstalter Frosch Touristik (FTI) konnte Britannia zwischen November 1997 und Juli 1998 insgesamt 122 700 Fluggäste, den Löwenanteil davon in die Karibik, befördern - mittels einer einzigen Boeing 767 mit 328 Plätzen. LTU bestuhlt dasselbe Flugzeug nur mit 276 Sitzen.

Britannia, die Billigangebote wie zwei Wochen Dominikanische Republik all inclusive für 1348 Mark erst möglich macht und in diesem Winter mit drei Boeings 767 an den Start gehen wird, spart Kosten, wo es nur geht: Die Gehälter liegen zehn Prozent unter den sonst in der Branche üblichen. "Zu diesen Bedingungen haben wir in Ostdeutschland genügend Personal gefunden", sagt Geschäftsführer Peter Steiner. Die Firma residiert nicht am Flughafen Berlin-Schönefeld, sondern in einem Gewerbegebiet in der Nachbarschaft mit günstigen Mieten. Ab November werden erstmals Nonstopflüge in die Dominikanische Republik auch vom Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz angeboten - auf dem ehemaligen Militärflugplatz sind die Gebühren wesentlich niedriger.

Geringste Preisunterschiede entscheiden über die Buchung

Im Mai 1999 geht FTI noch einen Schritt weiter und startet mit Hilfe ihrer britischen Tochter Airtours eine eigene deutsche Ferienfluggesellschaft für Trips ans Mittelmeer. Der Sitzabstand soll auf dem Niveau der etablierten Konkurrenz liegen, heißt es in München.