Das Chaos an den Aktienmärkten ist nicht nur ein Debakel für die Anleger, sondern auch für die Börsenprofis. Kaum einer unter den hochbezahlten Experten hatte den rapiden Kurssturz auf der Rechnung. Im Gegenteil: Selbst als die Krisenzeichen immer deutlicher wurden, blieben die meisten Branchengurus bei ihrer euphorischen Einschätzung. "Ein Ende des Aufwärtstrends an den Aktienmärkten, insbesondere in Europa, ist nicht abzusehen", heißt es noch in der Septemberausgabe der Zeitschrift Anlage-Strategie Privatkunden der Deutschen Bank.

Tatsächlich ist der Deutsche Aktienindex (Dax) seit seinem Rekordhoch im Juli um gut ein Viertel abgesackt. Insgesamt mußten die Anleger am hiesigen Aktienmarkt in den vergangenen acht Wochen Kursverluste von weit mehr als 400 Milliarden Mark hinnehmen.

Was tun? Wer erwartet, daß die Börsenkurse langfristig wieder steigen, aber nach den jüngsten Flops das Vertrauen in die Fähigkeiten der Profis verloren hat, sollte diese einfach ignorieren und einen Indexfonds kaufen. Anders als bei den üblichen Aktienfonds, deren Manager mehr oder weniger willkürlich entscheiden, in welche Papiere sie investieren, ist die Zusammensetzung eines solchen Fonds klar definiert. Im Falle eines Dax-Fonds würde das Fondsvermögen aus genau den 30 Aktienwerten bestehen, die das deutsche Börsenbarometer abbilden. Der Wert der Fondsanteile steigt und fällt also im Gleichlauf mit dem Dax.

In Amerika sind Indexonds längst gang und gäbe. Die großen institutionellen Vermögensverwalter haben inzwischen schon rund ein Drittel ihrer Aktienbestände auf Indexbasis angelegt. Bei den Privatleuten beträgt der Anteil zwar erst schätzungsweise 7 Prozent, zeigt aber rasch ansteigende Tendenz.

Der bedeutendste Publikumsfonds dieser Art, der 500 Portfolio der Vanguard Group, hatte zuletzt knapp 50 Milliarden Dollar angesammelt und sich damit auf Platz zwei unter allen amerikanische Aktienfonds vorgeschoben. Für Vanguard-Boß John C. Bogle kommt dieser Erfolg nicht überraschend. Seiner Meinung nach erwirtschaften Indexfonds langfristig bessere Ergebnisse als aktiv verwaltete Vermögen - einfach deshalb, weil sie kostengünstiger arbeiten.

Die üblichen Fonds leisten sich nicht nur ein teures Management, sondern schichten ihre Portfolios auch häufig um und produzieren damit Kosten, die natürlich die Rendite schmälern. Der Unterschied ist beachtlich: Während bei den aktiv geführten amerikanischen Aktienfonds eine jährliche Verwaltungsvergütung von rund 1,5 Prozent anfällt, verlangt Vanguard nur 0,2 Prozent und verzichtet darüber hinaus auf den Ausgabeaufschlag, der in Deutschland immerhin bis zu 5 Prozent beträgt.

"Den meisten professionellen Vermögensverwaltern gelingt es nicht, die jeweiligen Marktindizes zu schlagen. Wer es dennoch schafft, kann diesen Erfolg kaum jemals wiederholen", behauptet Bogle. Diese Erkenntnis entspricht der Theorie, die von vielen Ökonomen favorisiert wird. Danach spiegeln die Kurse von Wertpapieren laufend den aktuellen Informationsstand aller Börsenteilnehmer wider. Auf solch effizienten Aktienmärkten kann selbst der smarteste Profi keine Schnäppchen machen. Deshalb fährt der Anleger am besten, so steht es jedenfalls in den Lehrbüchern, wenn er den Gesamtmarkt, also den Index, kauft.